Was ist Ethoxyquin?


Ethoxyquin (1,2-Dihydro-6-ethoxy-2,2,4-trimethylchinolin) ist ein Aromat aus tl_files/data_site/REDAKTIONSDATEN/Fotos/Themenbereiche/Produktqualitaet/Ethoxyquin/584 Ethoxyquin.png.jpgder Gruppe der Chinoline. In den frühen 1920er-Jahren entwickelt, verhinderte es in der Reifenproduktion das oxidationsbedingte Brüchigwerden der noch größtenteils aus Naturkautschuk hergestellten Reifen. In den 1950er-Jahren wurde Ethoxyquin dann auch in der Futtermittelherstellung verwendet, um dort die natürliche Autoxidation von Fetten (z. B. einfach und mehrfach ungesättigten Fettsäuren) und Vitaminen (z. B. Carotinoiden), das sogenannte Ranzigwerden, zu unterbinden.

Ethoxyquin im Futter


tl_files/data_site/REDAKTIONSDATEN/Fotos/Themenbereiche/Produktqualitaet/Ethoxyquin/586 Ethoxyquin fluessig.jpgAls Zusatzstoff ist Ethoxyquin (E 324) gemäß § 16 Futtermittelverordnung in Verbindung mit dem Gemeinschaftsregister/VO (EG) Nr. 2316/1998 mit einem Höchstgehalt von 150 mg/kg (Hundefutter 100 mg/kg) im Futter zugelassen. Dieser maximal zulässige Gehalt an Antioxidationsmitteln in Futtermitteln gilt auch für Kombinationen von Ethoxyquin und anderen Zusatzstoffen, wie z. B. Butylhydroxianisol (E 320) oder Butylhydroxitoluol (E 321).

Durch natürliche Oxidationsprozesse verlieren die im Futter enthaltenen Fette und Lipide nicht nur an Wert für die Ernährung, es kommt auch zu einer Beeinträchtigung des Geschmacks und folglich oft auch zu reduzierter Futteraufnahme und Verdaulichkeit. Deshalb werden besonders empfindliche Komponenten, wie Fischmehl und Fischöl, häufig schon während der Produktion mit Ethoxyquin versetzt. Dies schützt die enthaltenen ungesättigten und mehrfach ungesättigten Fettsäuren (u. a. Omega-3-Fettsäuren) vor Oxidation und verlängert somit die Haltbarkeit. Daher akzeptieren einige Transportunternehmen (z. B. in Brasilien) auch nur mit Ethoxyquin versetztes Fischmehl . Durch den Einsatz von Antioxidationsmitteln wie Ethoxyquin wird also die Lagerfähigkeit verbessert.

Transfer vom Futter zum Fisch

Mit dem Futter aufgenommenes Ethoxyquin wird in der Leber nur wenig tl_files/data_site/REDAKTIONSDATEN/Fotos/Themenbereiche/Produktqualitaet/Ethoxyquin/585 Ethoxyquin-Dimer.pngverändert. Neben der Reinsubstanz werden zwei Moleküle Ethoxyquin chemisch
zu einem Dimer verknüpft. Dieses wird dann im Gewebe (v. a. fetthaltige Gewebe) eingelagert (98 %). Das Dimer des Ethoxyquins ist schwerer abbaubar und wird nur in geringer Menge ausgeschieden (Halbwertszeit T1/2 > 14 Tage) als Ethoxyquin (T1/2 2,4 Tage). Deshalb wird das Dimer auch nicht während der üblichen Aushälterung vor der Schlachtung (Vermeidung von Off-Flavour – bei Lachsen für gewöhnlich 14 Tage ohne Fütterung) eliminiert. Im Gegenteil, während der Aushälterung wird ein Teil des Ethoxyquins in das Dimer umgewandelt und eingelagert. Dabei korreliert die Konzentration an eingelagertem Dimer direkt mit dem Fettgehalt der untersuchten Gewebe, d. h., in fetthaltigen Geweben wird neben dem Ethoxyquin selbst auch besonders viel Dimer eingelagert. Die höchsten Konzentrationen sind demnach im viszeralen Fett- bzw. Darmgewebe (Fettgehalt 25 %) der Tiere zu finden, gefolgt von Muskeln (Fettgehalt um 10 %) und Leber (Fettgehalt um 5 %).

Ist Ethoxyquin gesundheitsschädlich?

Die Frage drängt sich auf, wenn man bedenkt, dass Ethoxyquin bis 2011 auch als Pestizid zugelassen war. So wurde Ethoxyquin zum Schutz vor Schalenfäule bei Birnen in Gewächshäusern eingesetzt.
In langfristigen Fütterungsversuchen (3 – 30 Monate) konnte im Säugermodell – ab 200 mg/kg Körpergewicht bei Ratten und 10 mg/kg bei Hunden – degenerative und pathologische Veränderungen der Leber, Schilddrüse und Niere, verminderte Futteraufnahme und Dehydration nachgewiesen werden.
Eine orale Zufuhr von großen Mengen Ethoxyquin kann entsprechend auch für den Menschen gesundheitsgefährdend sein.

tl_files/data_site/REDAKTIONSDATEN/Fotos/Themenbereiche/Produktqualitaet/Ethoxyquin/587 Xn Gesundheitsschaedlich.jpg

Daher wird Ethoxyquin in die Kategorie 4 der EG-Verordnung 1272/2008 (Akute Toxizität oral – nach R22 EU-Richtlinie 67/548/EWG und 1999/45/EG – Gesundheitsschädlich Xn –Gefahrenbezeichnung H 302, Gesundheitsschädlich bei Verschlucken) eingruppiert. Die einzigen gesundheitlichen Probleme (Dermatitis – entzündliche Reaktion der Haut) traten bisher nur bei Farmarbeitern auf, die über einen längeren Zeitraum mit Ethoxyquin gearbeitet hatten.
Da Ethoxyquin und sein Dimer lipophil sind, lösen sie sich besonders gut in fetthaltigen Geweben und unpolaren Substanzen wie Fischöl. Deshalb wird befürchtet, dass Ethoxyquin sich gerade im Fischöl einlagert und so eine besondere Gefahr für den Menschen darstellen könnte.

Ist es sicher, Fische zu essen, die mit ethoxyquinhaltigem Futter aufgezogen wurden?

Seit Ethoxyquin nicht mehr als Pestizid zugelassen ist, gilt auch die bis 2011 in der Rückstands-Höchstmengenverordnung (RHmV, Anlage 5, § 1 Abs. 4 Nr. 1) maximal zulässige Konzentration von 0,01 mg/kg für Lebensmittel nicht mehr. Ohne festgelegte Höchstmenge ist der Verbraucherschutz hier möglicherweise rechtlich unzureichend sichergestellt. Zurzeit orientiert man sich an dem zuletzt 2005 vom JMPR (Joint Meeting on Pesticide Residues), von der WHO und der FAO empfohlenen ADI-Wert von 0,005 mg/kg Körpergewicht (ADI = Acceptable Daily Intake – legt die nicht zu überschreitende Menge einer Substanz fest, die ein Mensch im Laufe seines Lebens täglich verzehren kann, ohne gesundheitliche Schäden davonzutragen). Zusätzlich dazu wird ein ARfD-Wert von 0,5 mg/kg ausgewiesen (dies ist die von der WHO festgesetzte Menge pro kg Körpergewicht, die über die Nahrung mit einer Mahlzeit oder innerhalb eines Tages ohne erkennbares Risiko für den Konsumenten aufgenommen werden kann). Da Fische und Meeresfrüchte – wenn überhaupt – nur in Ausnahmefällen mehr als 0,1 mg/kg Ethoxyquin enthalten, sollte bei üblichem Fischverzehr (wie beim von der deutschen Gesellschaft für Ernährung empfohlenen Fischverzehr von 1- bis 2-mal pro Woche) ein Konsum entsprechend unproblematisch sein.

Dies lässt sich auch anhand einer Beispielrechnung darstellen:

Bei Verzehr von 300 g Muskelfleisch (nach RL 2001/79/EG die tägliche Verzehrmenge zur Festlegung von Rückständen) würde eine Person mit einem Körpergewicht von 60 kg 10 % (0,03 mg Ethoxyquin bei einer Ethoxyquinmenge von 0,1 mg/kg Muskelfleisch) des empfohlenen ADI-Wertes von 0,3 mg/Tag ausschöpfen. Die Belastung für den Verbraucher ist also nach heutigem Stand des Wissens relativ gering. Es überwiegen ganz klar die positiven Eigenschaften von Fisch und Meeresfrüchten für die menschliche Ernährung (Versorgung mit Omega-3-Fettsäuren und hochwertigen Proteinen).
Ungeklärt sind jedoch die möglichen Auswirkungen des Dimers des Ethoxyquins, welches in Konzentrationen bis 1 mg/kg im Muskelfleisch von Lachsen gefunden wird.

Eine jüngst veröffentlichte Studie des Chemischen und tl_files/data_site/REDAKTIONSDATEN/Fotos/Themenbereiche/Produktqualitaet/Ethoxyquin/659 Ethoxyquin und Ethoxyquindimere in Lachsen verschiedener Herkuenfte.jpgVeterinäruntersuchungsamts Freiburg, bei der 37 Lachsproben aus der Aquakultur (+ 1 Wildlachs) untersucht wurden, hat gezeigt, dass Ethoxyquin und das Dimer in entsprechenden Konzentrationen gefunden werden. Bei 25 von 37 Proben konnten Rückstände von Ethoxyquin (0,002 – 0,098 mg/kg) und bei 30 Proben das Dimer (0,002 – 0,986 mg/kg) nachgewiesen werden. Erhöhte Werte wurden bei konventionellem Farmlachs ermittelt, Bio-Lachs war dagegen deutlich weniger (Dimer) bzw. kaum (Ethoxyquin) belastet.

Das körpereigene P450-Enzymsystem wandelt das Dimer und auch Ethoxyquin in ein sehr reaktives Phenoxylradikal um, um so schließlich über weitere Schritte die Wasserlöslichkeit zu erhöhen und damit die Ausscheidung zu ermöglichen. Im Fall des Ethoxyquins bzw. des Dimers wird das Phenoxylradikal nicht weiter umgewandelt. Das Radikal wirkt pro-oxidant, d. h., es oxidiert vornehmlich Makromoleküle wie DNA, RNA, Proteine und Fettsäuren und schädigt so den Organismus.

Aufgrund der unklaren Datenlage (auch hinsichtlich der Toxizität des Dimers) führt die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit, EFSA, nach der Richtlinie 70/524/EWG aus der Verordnung (EG) Nr. 1831/2003 (Futtermittelzusatzstoff-Verordnung) eine erneute Sicherheitsbewertung aller zugelassenen Futtermittelzusatzstoffe durch, die auch Ethoxyquin behandelt. Ob und wie die Europäische Kommission und die Bundesregierung die Stellungnahme der EFSA bewerten und umsetzen, bleibt abzuwarten.

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