Unternehmensgründung


Die Gründung eines Unternehmens ist eine spannende Phase in der Geschichte einer jeden Firma. Das gilt auch für Aquakulturen. Die Gründungsphase ist so bedeutsam, dass sich um sie herum ein eigener Forschungszweig und eigene Begrifflichkeiten gebildet haben:

Entrepreneurship bezeichnet explizit den Prozess der Unternehmensgründung und grenzt ihn von dem später mehr oder weniger routinierten Management eines Unternehmens ab. Der Begriff ist aus dem Französischen „entreprendre" bzw. „prendre entre les mains" abgeleitet und lässt sich mit „etwas unternehmen" bzw. „etwas in die eigenen Hände nehmen" übersetzen. Im Zentrum des Gründungsprozesses steht dabei der Entrepreneur. Der Entrepreneur ist ein Unternehmer, der unter Risiko eine Organisation etwa in Form einer Fischzucht (Aquakultur) aufbaut, um verschiedene Ressourcen (Land, Wasser, Energie, Futter, Besatz, Arbeit etc.) in Hinblick auf das Ergreifen einer unternehmerischen Gelegenheit (Nischenmarkt) neu zu kombinieren und zu nutzen.tl_files/data_site/REDAKTIONSDATEN/Fotos/Themenbereiche/Oekonomie/514 Unternehmensgruendung.jpg

























Eine unternehmerische Gelegenheit ergibt sich dabei häufig aus einem Handlungsproblem. Handlungsprobleme können durch geänderte Rahmenbedingungen wie bspw. Veränderungen in der Angebots- und Nachfragesituation, nichtfunktionierende Preismechanismen, Informationsungleichgewichte oder fehlende Technologien hervorgerufen werden. Der Entrepreneur nimmt diese Handlungsprobleme nicht als Schwachstellen des Marktes sondern als Chance wahr, sich mit seiner neuen Unternehmung am Markt zu platzieren. Durch die Nutzung innovativer Technologien (Kreislauftechnik) oder innovativer Produktideen (neue Fischarten, Bio-Waren) versucht er, durch seine Unternehmung das Handlungsproblem zu lösen und dabei Gewinn zu generieren. Dieses primäre Motiv für ein Entrepreneurship wird Leistungsmotiv genannt. Daneben beeinflusst eine Vielzahl von individuellen Faktoren wie das Streben nach Unabhängigkeit oder nach individueller Entfaltung, Risikoneigung, aber auch eine Vielzahl von sogenannten „Umweltfaktoren", wie der Stand der Forschung, die Entwicklung am Arbeitsmarkt, politische und juristische Vorgaben, vorhandene Finanzierungsmodelle oder die verfügbare Infrastruktur die Entscheidung, ein Unternehmen zu gründen.

Während die klassische Sicht auf die Unternehmensgründung vor allem das Ziel des ökonomischen Gewinns fokussierte, werden in neuerer Zeit auch anderen Varianten mit sozialen oder ökologischen Zielen vermehrt Aufmerksamkeit geschenkt. Eine für die Aquakultur besonders interessante Spielart des Entrepreneurships ist das ecological entrepreneurship oder kurz Ecopreneurship. Es bezeichnet die ökologieorientierte Unternehmensgründung. Der Ecopreneur verbindet mit seiner Unternehmung ökonomischen Nutzen (geldwerte Gewinne, Arbeitsplätze) gezielt mit ökologischen Gewinnen (bspw. Schonung natürlicher Ressourcen). Hierfür übernimmt der Ecopreneur umweltgerechte Innovationen, die in ihrer Eigenschaft materiell (Hardware - Technikeinsatz) und/oder immateriell (Software - Ideenumsetzung) beschaffen sind. Moderne Kreislaufanlagen sind Beispiele für eine solche Hardware-Innovation. Ökologische Teichwirtschaften können als Beispiele für Software-Innovationen (Ideenumsetzung eines Konzeptes) angesehen werden.

Aber warum bedient sich ein Fischwirt der einen oder anderen Innovation? Warum geht er mit einer Unternehmensgründung ein Risiko ein und verlässt die sichere Routine altbewährter Produktionspraktiken?

Diese Fragen sind in Anbetracht der vielen Einflussfaktoren auf die Gründungsaktivität nicht einfach zu beantworten. Idealtypisch wird ein Gründungsprozess von einem ökonomischen Handlungsproblem ausgelöst (betriebliche Divergenz, z. B. Rückgang im Absatz, Produktion, Kostenentwicklung). Vermischen sich nun in dem Ansatz, das aufgetauchte Handlungsproblem zu lösen, ökonomische Ziele (Marktorientierung, Rationalisierung) mit ökologischen Überlegungen (Ressourcenmanagement), so ist der erste Schritt hin zum Ecopreneurship getan. Häufig entsteht der Gedanke eines Ecopreneurships jedoch nicht isoliert. Der Fischwirt steht vielmehr während der Phase der Gründung mit anderen Akteuren im Austausch (soziale Umwelt). Dies kann der örtliche Fischereireferent (auswärtiges Expertentum), aber auch die eigene Familie und Bekannte sein, mit denen er über sein Vorhaben spricht und diskutiert. Der Ecopreneur wird darüber hinaus vor seiner Entscheidung zur Neugründung oder Umgestaltung eines Betriebes außerdem versuchen, Informationen über ökologische Aspekte seines Innovationsgedanken, bspw. die Richtlinien zur ökologischen Teichwirtschaft oder die Prinzipien der Kreislauftechnik, zu sammeln. Dabei werden gezielt Kontakte aufgebaut und positive Vorbilder erschlossen (Netzwerk), die ihm die Machbarkeit seines Vorhabens demonstrieren. Ein Fischwirt, der sich bspw. mit dem Gedanken trägt, seine Teichwirtschaft in Zukunft ökologisch zu bewirtschaften, kann z. B. in seiner Heimatregion Bio-Bauern aufsuchen, um Erfahrungen hinsichtlich einer erfolgreichen Direktvermarktung auszutauschen. Ein Fischwirt, der in eine Kreislaufanlage investieren möchte, besichtigt bspw. bereits am Markt etablierte Anlagen, um sich ein Bild von der eingesetzten Technik vor Ort zu machen. Das Sammeln von Informationen reduziert dabei die Unsicherheit der Gründung.

Interessanterweise spielt auch die Anerkennung aus dem Umfeld eine große Rolle für die Gründungsaktivität des Fischwirtes. Wettern bspw. all seine Kollegen im Fischereiverband gegen die ökologische Teichwirtschaft und tun diese als „grüne Spinnerei" ab, kann das trotz guter Informiertheit wieder verunsichern. Der Grad inwieweit sich ein Ecopreneur in der Aquakultur in seiner Gründungsentscheidung verunsichern lässt, ob durch die Meinung anderer oder finanzielle Rückschläge in der Gründungsphase, hängt mit seiner Identität als Ecopreneur zusammen: Ist die Identifikation mit der zu übernehmenden Innovation hoch, begreift er sich selbst als Pionier und sieht sich mehr als Gestalter seiner Unternehmung denn als Getriebener unsichtbarer Marktkräfte (subjektiver Handlungsspielraum). Folglich ist er bereit, höheres soziales (keine Anerkennung aus dem Umfeld) und ökonomisches (finanzielle Verluste) Risiko einzugehen.
Letztlich hängt aber auch ein Ecopreneurship trotz ausgeprägter Ökologieorientierung von dem wirtschaftlichen Erfolg der gegründeten Unternehmung ab. Dieser Erfolg stellt sich umso wahrscheinlicher ein, desto eher die potentielle Marktchance (Bio-Fisch wird als Produkt gefragt sein) einer tatsächlichen Nachfrage (Bio-Fisch ist als Produkt gefragt) entspricht, desto einfacher die neue Produktionstechnik zu handhaben ist (Komplexität) und desto leichter sich die für die neue Unternehmung benötigten Ressourcen organisieren lassen.
Mit der Übernahme neuer Produktionspraktiken zeigen Ecopreneure Alternativen zur althergebrachten, konventionellen Aquakultur auf. Es sind Alternativen, die in Anbetracht der ökonomischen und ökologischen Herausforderungen der Fischwirtschaft zu Beginn des 21. Jahrhunderts einen wichtigen Beitrag zur Modernisierung des Sektors leisten.


Weiterführende Literatur:

Asche F., 2011. Green Growth in Fisheries and Aquaculture Production and Trade, OECD Commissioned Consultant Report.

Braun-Thürmann, H., 2005. Innovation. Themen der Soziologie, transcript, Bielefeld.

Drucker P. F., 2002. Innovation and Entrepreneurship. Practice and Principles, Butterworth-Heinemann, Oxford.

Lasner T., 2013. Ecopreneurship in der Aquakultur. Die Übernahme umweltgerechter Innovationen, oekom, München.

Schaper M., 2005. Making Ecopreneurs: Developing Sustainable Entrepreneurship, Ashgate Publishing, Aldershot.