Aquakultur in Zahlen

Vielerorts hat die Aquakultur eine lange Tradition und die Wurzeln reichen mehrere Hundert bis Tausende Jahre zurück. Im Vergleich zur Fangfischerei spielte die Aquakultur bei der weltweiten Versorgung mit Fischen, Meeresfrüchten und anderen Wasserorganismen jedoch lange eine untergeordnete Rolle. Auf Grund stagnierender Fangerträge (sog. Anlandungen) aus der Fischerei, der schnell wachsenden Weltbevölkerung und der steigenden Produktnachfrage erlebt die Branche seit den 1980er Jahren einen rasanten Anstieg. Die Aquakultur stellte in den vergangenen Jahrzehnten den am schnellsten wachsenden Zweig der Ernährungswirtschaft dar und 2016 wurden weltweit bereits über 110 Mio. t Fische, Muscheln, Krebstiere, Algen und weitere Wasserorganismen in Aquakulturen produziert (FAO, 2018).

In diesem Artikel finden Sie die wichtigsten Kennzahlen der weltweiten Aquakulturproduktion. Diese Angaben basieren zu einem großen Teil auf dem Report zum Status der globalen Fischerei und Aquakultur (engl. The State of World Fisheries and Aquaculture, SOFIA) der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (engl. Food and Agriculture Organization of the United Nations, FAO). Der aktuelle SOFIA-Report (2018) bezieht sich auf die Produktionszahlen im Jahr 2016.

Einen Videobeitrag zur Aquakultur in Deutschland finden Sie HIER auf Aquakulturinfo.

_____________________________________________________________________________________

Weltweite Produktion

Die weltweite Produktion von Fischen, Weichtieren (z. B. Muscheln), Krebstieren und weiteren aquatischen Organismen (ohne Pflanzen oder Algen, Reptilien, aquatische Säugetiere etc.) lag im Jahr 2016 bei 170,9 Mio. t (Anlandungen und Aquakulturen zusammen). Aus Aquakulturen stammten mit insgesamt 80 Mio. t 47 % dieser Gesamtmenge. Ohne Berücksichtigung der Produktion für andere Zwecke als die menschliche Ernährung (z. B. die Produktion von Fischmehl- und -öl; insg. 19,7 Mio. t.) lag der Anteil der Aquakulturen bei 53 %.

Zu diesen 80 Mio. t Fischen und anderen Meeresfrüchten aus Aquakulturen kamen 30,1 Mio. t aquatische Pflanzen und Algen (mehrheitlich Tange und Seegräser, weniger Mikroalgen; insg. 96,5 % der weltweiten Produktion) sowie 37 900 t weitere Produkte, welche nicht für die menschliche Ernährung vorgesehen waren (z. B. für Kosmetikprodukte). Mit 54,1 Mio. t stellen Fische die wichtigste Tiergruppe in der Aquakultur dar, gefolgt von Weichtieren (17,1 Mio. t), Krebstieren (7,9 Mio. t) und anderen wasserlebenden Tieren (938 500 t).

Mit 64,2 % fand der überwiegende Teil der Erzeugung in Aquakulturen im Inland statt (nur Fische und Meeresfrüchte). Hier wurde der Großteil der Fische (92,5 % bzw. 47,5 Mio. t) produziert. In Marikultur, also der Aquakultur in Meeres- und Küstengewässern, dominierten Weichtiere mit 16,9 Mio. t bzw. 58,8 %.

China war auch 2016 weltweit mit Abstand der größte Erzeuger von Fischen und Meeresfrüchten. Hier wird mehr produziert als in der restlichen Welt zusammengenommen. Weitere wichtige Produktionsländer sind Indien, Indonesien, Vietnam, Bangladesch, Ägypten und Norwegen.

In der Europäischen Union (EU) folgt die Produktion von Fischerei- und Aquakulturerzeugnissen nicht dem globalen Trend. Im Jahr 2015 stammten nur knapp 20 % (insg. 1,26 Mio. t) der Erzeugnisse aus Aquakulturen (Eurostat). Spanien (23,3 %), das Vereinigte Königreich (16,8 %) und Frankreich (13,0 %) stellten zusammen über die Hälfte des Produktionsvolumens der EU. Die EU zusammengenommen hatte 2015 ca. 1,2 % Anteil an der weltweiten Aquakultur. Im internationalen und auch innereuropäischen Vergleich ist die Aquakultur in Deutschland eher unbedeutend. Erfahren Sie HIER mehr zur Aquakultur in Deutschland im Informationsfilm auf Aquakulturinfo.

Aquakulturproduktion

Arten

Im Jahr 2016 wurden insgesamt 598 „Arten-Meldungen“ (engl. species items) gelistet, welche weltweit jemals in Aquakulturen bewirtschaftet wurden. Ein solches species item bezieht sich auf eine einzelne Art, eine Artengruppe (wenn die Identifikation einer einzelnen Art nicht möglich ist) oder einen Hybriden. Die Liste umfasst u.a. 369 Fisch- (inkl. 5 Hybriden), 109 Weichtier-, 64 Krebstier- und 40 aquatische Algenarten.

Trotz dieser großen Diversität wird die Aquakultur von nur einer kleinen Anzahl Arten bzw. Artengruppen dominiert. Nur 27 Arten(-gruppen) trugen 2016 zu über 90 % der globalen Produktion bei. Die 20 am häufigsten bewirtschafteten Arten(-gruppen) haben alleine einen Anteil von 84,2 % an der weltweiten Erzeugung.

Aquakultur Arten

Die folgenden Fischarten haben jeweils einen Anteil von über 5 % an der weltweiten Erzeugung: Graskarpfen (Ctenopharyngodon idellus) 11 %, Silberkarpfen (Hypophthalmichthys molitrix) 10 %, Karpfen (Cyprinus carpio) 8 %, Tilapia (Oreochromis niloticus) 8 %, Marmorkarpfen (Hypophthalmichthys nobilis) 7 %, Karauschen (Carassius spp.) 6 % und Catlabarbe (Catla catla) 6 %. Der in Deutschland so beliebte Atlantische Lachs (Salmo salar) liegt mit einem Anteil von 4 % auf Rang 9 und der Pangasius (Pangasius spp.) mit 3 % auf Rang 11. Die Dominanz der Karpfenartigen liegt vor allem an der enormen Bedeutung in der chinesischen Aquakultur.

Die Produktion von Krebstieren wird klar von der Weißfuß-Garnele (Litopenaeus vannamei) dominiert. Über die Hälfte (53 %) der weltweiten Produktion von Krebstieren in Aquakultur entfallen alleine auf diese Art. Bei den Weichtieren spielen Austern (Crassostrea spp.) mit 28 % und die Japanische Teppichmuschel (Ruditapes phlippinarum) mit 25 % eine wichtige Rolle.

Weißfuß-Garnele

Laut Erhebungen für das Jahr 2014 wurden in der EU über 130 Arten in Aquakulturen erzeugt. Auch hier machen wenige Arten einen Großteil der Produktion aus. Die 10 häufigsten Arten haben einen Anteil von 90 % an der Gesamtproduktion (Eurostat). Die wichtigsten Arten in der EU sind Miesmuscheln (Mittelmeer-Miesmuschel, Mytilus galloprovincialis und Gemeine Miesmuschel, Mytilus edulis), Atlantischer Lachs und Regenbogenforellen (Oncorhynchus mykis) (Eurostat). In Deutschland dominieren Karpfen und ebenfalls Regenbogenforellen sowie die Gemeine Miesmuschel die Produktion in Aquakulturen (Destatis).

Karpfen

Pro-Kopf-Verbrauch

In den Jahren von 1961 bis 2016 ist der Verbrauch von Fischen und Meeresfrüchten um durchschnittlich 3,2 % angestiegen und wuchs somit schneller als die Bevölkerung (1,6 %). Im gleichen Zeitraum stieg die Nachfrage nach terrestrischen Tieren um durchschnittlich 2,8 %. Der Pro-Kopf-Verbrauch stieg von 9,0 kg im Jahr 1961 auf 20,2 kg im Jahr 2015. Dies entspricht einer Steigerung von 1,5 % pro Jahr. Fische und Meeresfrüchte liefern ungefähr 17 % des globalen Tierproteins für die menschliche Ernährung.

Der Verbrauch ist hierbei regional sehr unterschiedlich und reicht je nach Land und Region von knapp über 2 kg bis über 100 kg pro Kopf und Jahr. In Europa waren es im Jahr 2015 etwa 22,5 kg. Laut dem Fischinformationszentrum (FIZ) lag der jährliche Pro-Kopf-Verbrauch in Deutschland mit 13,4 kg im Jahr 2015 und 14,4 kg im Jahr 2016 deutlich unter dem weltweiten und auch dem europäischen Durchschnitt. Mit dem Atlantischen Lachs führt ein Fisch die Liste der beliebtesten Arten in Deutschland an, der zum Großteil aus Aquakulturen stammt (FIZ). Die Forelle liegt auf Platz 5 (FIZ).

Forellenprodukte

Ökonomie

Der Erstverkaufswert der Aquakulturproduktion (insg. 110,2 Mio. t inkl. aquatischer Pflanzen) lag im Jahr 2016 bei geschätzten 243,5 Milliarden US-Dollar. Dies entspricht bei einem aktuellen Wechselkurs von Euro: US-Dollar 1:1,14 (29.10.2018) einer Summe von über 214 Milliarden Euro. Der Wert der EU-Aquakulturproduktion lag 2015 bei etwa 4,13 Milliarden Euro (Eurostat).

Fische und Meeresfrüchte gehören weltweit zu den am meisten gehandelten Nahrungsmitteln. Im Jahr 2016 kamen in etwa 35 % der Gesamterzeugung in den internationalen Handel (zur menschlichen Ernährung oder für andere Zwecke). Die insgesamt 60 Mio. t Exportware stellen eine Steigerung von 245 % im Vergleich zu 1976 dar. Somit entfallen etwa 9 % der weltweiten Exporte im gesamten Landwirtschaftssektor (ohne Forstwirtschaft) auf diese Erzeugnisse.

Die Kombination aus verhältnismäßig geringer Eigenproduktion und gleichzeitig hohem Pro-Kopf-Verbrauch macht die EU zu einem wichtigen Importmarkt. Sie stellt insgesamt den weltweit größten Einzelmarkt dar (Fischerei- und Aquakulturerzeugnisse). Alleine Deutschland importierte im Jahr 2016 Fischprodukte (Fische und andere Meeresfrüchte aus Fischerei und Aquakultur) im Wert von 6,15 Milliarden US-Dollar (Anteil von 4,5 % am globalen Import).

Von den weltweit 59,6 Mio. Beschäftigten (Voll-, Teilzeit oder als Gelegenheitsarbeit) arbeiten etwa 19,3 Mio. Menschen in der Aquakultur. Der Frauenanteil wird auf 14 % geschätzt (Fischerei und Aquakultur). In der EU arbeiteten 2015 ungefähr 39 000 Beschäftigte in der Aquakultur (Eurostat).

 

Referenzen:

Destatis - Statistisches Bundesamt (2018). Land und Forstwirtschaft, Fischerei. Erzeugung in Aquakulturbetrieben. Fachserie 3, Reihe 4.6.

Eurostat: https://ec.europa.eu/eurostat/statistics-explained/index.php/Aquaculture_statistics [30.10.2018]

FAO (2018). The State of World Fisheries and Aquaculture 2018 - Meeting the sustainable development goals. Rom.

FAO Fisheries and Aquaculture Department [online]. Rom. Updated 17 March 2017. [30.10.2018] http://www.fao.org/fishery/

 

[Stand 10/2018]