Weißfuß-Garnele
Länge:
Gewicht:
xx
Kg Futter/Kg Gewicht:
Proteinbedarf:
Proteinquelle:
xx
Herkunft:Östlicher Pazifik
Jahresproduktion:3.668.682 t (FAO 2014)
xx
Fleisch:fest und knackig
Ähnlich:Schwarze Tigergarnele, Rosenberggarnele
xx
  • Biologie
  • Aquakultur
  • Produktangebot
  • Zertifizierung
  • Nachgehakt
  • Literatur/Links

Biologie

Warmwassergarnelen gehen zumeist in der Dämmerung und während der Nacht auf Futtersuche. Die Ernährung erfolgt entweder karnivor (Fleischfresser) oder omnivor (Allesfresser). Je nach Garnelenart sind dabei Ringelwürmer (Polychaeten), Muscheln (Bivalvia), Krebstiere (Crustaceen), Schlangensterne (Ophiuroidea), Detritus (abgestorbenes, organisches Material), Phytoplankton und Algen typische Nahrungsbestandteile. Dabei ändert sich das Nahrungsspektrum während der Entwicklung zum adulten (erwachsenen) Tier.

tl_files/data_site/REDAKTIONSDATEN/Fotos/Arten_datenblaetter_fotos/Weissfussgarnele/372 L vannamei female.jpgDie Weißfuß-Garnele benötigt zwischen 5 bis 6 Monaten, um die Geschlechtsreife zu erreichen. Die Reproduktion findet kurz nach einer Häutung, zumeist in den Nachstunden, statt. Für die Befruchtung der Eier überträgt das Männchen ein Samenpaket (Spermatophore) in den Samenbehälter des Weibchens (Thelycum).





tl_files/data_site/REDAKTIONSDATEN/Fotos/Arten_datenblaetter_fotos/Weissfussgarnele/371 L. vannamei Postlarvae.jpgAbhängig von der Wasser-temperatur schlüpfen dann nach ca. 12 – 18 h die
Larven. Während der Individualentwicklung durchlaufen Larven verschiedene Entwicklungsstadien (Nauplius → Zoea → Mysis→Postlarve), bis sie sich zur Adultform häuten, die die eigentliche Garnelenform aufweist.











Aquakultur

Zurzeit werden Garnelen weltweit in über 60 Ländern produziert. Fast alle Hauptproduzenten sind im asiatischen Raum zu finden; darunter China, Indonesien, Vietnam und Indien (FAO 2014).

Wurden 1991 weltweit noch ca. 1.000.000 t Garnelen aus der Aquakultur vermarktet, so waren es 2014 schon mehr als 4.58 Millionen Tonnen - Tendenz weiter steigend (FAO 2014). Während in den 1990er-Jahren meist P. monodon gefarmt wurde, hat sich dieses mittlerweile zugunsten von L. vannamei verschoben (3.668.682 t im Jahr 2014), da für diese mittlerweile durch selektive Züchtung krankheitsresistente Linien bereitstehen, die ganzjährig von Farmern bezogen werden können.

Die Aquakultur von Garnelen erfolgt nahezu ausschließlich in extensiv, semi-intensiv oder intensiv bewirtschafteten Teichanlagen. Die verschiedenen Bewirtschaftungsarten definieren sich dabei u. a. über die Besatzdichten, das Fütterungsmanagement und die täglichen Wasseraustauschraten.


Tabelle 1 Aufzuchtverfahren von Garnelen

   Bewirtschaftung 
  extensiv semi-intensiv intensiv
Teichfläche (ha) -50 1 - 5 1
Bestandsdichte/
Garnelen/ha)
-20.000 -80.000 >100.000
Wasseraustauschrate 1 x Monat 1 – 2 x Monat Alle 3 – 4 Tage
Fütterungsmanagement keine Fütterung 1 x täglich min. 2 x täglich
Ertrag (kg/ha/Jahr) - 500 - 4.000 - 15.000

 


Je nach Aufzuchtverfahren variieren nicht nur die Produktionsmengen, sondern auch der Arbeitsaufwand und die mögliche Emission von Nährstoffen aus dem jeweiligen System in die Umwelt.


1. Extensives Aufzuchtsverfahren

Extensiv bewirtschaftete Teiche sind zumeist im küstennahen Bereich zu finden, wo sie dem Tidenhub ausgesetzt sind. Gegenüber dem Meer sind die Teiche (bis 50 ha) dabei oft durch Tore oder Gitter abgegrenzt, so dass die Möglichkeit besteht, diese zu fluten bzw. mit Frischwasser zu versorgen (was durchschnittlich einmal im Monat erfolgt). Die Individuenzahlen pro m2 sind sehr gering und liegen selten über 2. Häufig werden die Junggarnelen mit der ansteigenden Flut eingeschwemmt. Alternativ werden die Teiche aktiv mit Garnelenlarven besetzt. Als Futter dient den Garnelen in den Teichen kultiviertes Phytoplankton (eine Düngung durch den Eintrag organischen Materials ist förderlich, aber nicht zwingend notwendig). Die Ertragszahlen sind mit jährlich bis zu 500 kg pro ha sehr gering.

2. Semi-intensives Aufzuchtsverfahren

Häufig gehen Farmer, die Erfahrung mit extensiver Bewirtschaftung haben, zu einer produktionsoptimierten semi-intensiven Aufzucht über. Die dabei verwendeten Teichanlagen sind meist kleiner (bis 5 ha) und werden aktiv mit Garnelenlarven in höherer Stückzahl (bis zu 20/m2) besetzt (im Vergleich mit extensiv bewirtschafteten Anlagen). Die Tiere werden täglich mit speziell abgestimmtem Garnelenfutter versorgt und die Phytoplanktonproduktion wird ergänzend durch organischen oder künstlichen Dünger gesteigert. Ebenso erfolgt ein geregelter Wasseraustausch (einmaliger Austausch des kompletten Wasservolumens pro Tag). Durch diesen Mehraufwand können Erträge von bis zu 4.000 kg/ha/Jahr erwirtschaftet werden.

3. Intensives Aufzuchtsverfahren

Durch intensive Aufzuchtsverfahren lassen sich Ertragszahlen von bis zu 15.000 kg/ha/Jahr erzielen. Der Bedarf an Wasser, Futter und Personal ist dementsprechend sehr hoch. Die Aufzucht der Garnelen findet häufig in Betonbecken oder -rinnen mit hohen Besatzzahlen (bis zu 70 Larven/m2) statt. Die Verwendung von Betonbecken hat den Vorteil, dass diese nach der Ernte komplett abgelassen, gereinigt und desinfiziert werden können. Die Becken müssen während der Produktionsphase aktiv belüftet werden. Eine gleichbleibend gute Wasserqualität wird erreicht, indem das komplette Beckenvolumen mehrfach täglich gefiltert bzw. ausgetauscht wird. Durch die mehrmalige Fütterung der Tiere mit kommerziellem Pelletfutter werden hohe Zuwachsraten bei relativ geringem Futtereinsatz erreicht (FCR 1 - 1,2). Dieses Aufzuchtsverfahren ist aber aufgrund der eingesetzten hohen Individuenzahlen sehr anfällig gegenüber Störungen, z. B. Krankheiten (Weißpünktchenkrankheit WSS), schwankende Wasserparameter. Innerartliche Aggressionen können zu erhöhter Verletzung, Kannibalismus und Stress führen. Deshalb ist der Personalaufwand für die täglichen Kontrollen um ein Vielfaches höher als bei weniger intensiven Formen der Garnelenaufzucht.

 

 

Produktangebot

Das Produktangebot von Garnelen orientiert sich vornehmlich an dem Verarbeitungsgrad:

1. Ganzes Tier im Panzer (sogenannte head-on, shell-on).

2. Der Garnelenschwanz im Panzer (headless, shell-on)

3. Der Garnelenschwanz ohne Panzer, roh (raw peeled)

4. Der Garnelenschwanz ohne Panzer, gekocht (cooked, peeled)

Da frische Garnelen sehr verderblich sind, werden sie fast ausschließlich als Frostware in einer der nachfolgenden Abpackungen angeboten:


1. tl_files/data_site/REDAKTIONSDATEN/Fotos/Arten_datenblaetter_fotos/Weissfussgarnele/366 Prawn IQF.jpgIndividual Quick Frozen
(IQF)
– Garnelen werden separat eingefroren und sind somit auch einzeln entnehmbar.

















tl_files/data_site/REDAKTIONSDATEN/Fotos/Arten_datenblaetter_fotos/Weissfussgarnele/367 semi iqf l vannamei.jpg2. Semi-IQF – Garnelen liegen nebeneinander angeordnet und sind durch eine Eisschicht verbunden, können aber in Portionen abgebrochen werden.







tl_files/data_site/REDAKTIONSDATEN/Fotos/Arten_datenblaetter_fotos/Weissfussgarnele/365 Garnelen IQF.jpg
3. Blockfrostung
– Garnelen sind in einem Block zusammengefroren, welcher vor der Zubereitung vollständig geschmolzen werden muss.

Zertifizierung

Wie für andere Aquakulturprodukte (z. B. Pangasius, Lachs, Tilapia), so existieren auch für Garnelen zahlreiche Zertifizierungen. Grundsätzlich werden diese in Bio-zertifizierte und Nicht-Bio-zertifizierte Garnelen aus Aquakultur unterteilt. Zu den für den europäischen Markt besonders relevanten Bio-Labeln zählen u. a. das Deutsche Bio-Siegel und das Naturland-Aquakultur-Label. Als wichtigstes Nicht-Bio-Label gilt nach wie vor das von GLOBALG.A.P. Allen Labels ist gemeinsam, dass sie nicht nur Anforderungen an das Tierwohl und die Lebensmittelsicherheit stellen, sondern auch weitere Faktoren, wie z. B. den Umwelt- und den Arbeitsschutz, berücksichtigen (siehe Label in der Aquakultur).

Nachgehakt

Sind Garnelen häufig mit Antibiotika oder anderen Chemikalien belastet?

Aufgrund der Skandale im vergangenen Jahrzehnt wurden die Importkontrollen generell und für bestimmte Länder oder Produzenten massiv verstärkt. Diese zielgerichteten Kontrollen haben bewirkt, dass der Grad der Beanstandungen stark rückläufig ist, mitunter auch dadurch, dass beanstandete Importe nicht zurückgesandt, sondern meist direkt vernichtet werden. Ebenso haben die Einführung krankheitsresistenter Zuchtlinien und die Verwendung von Probiotika zu einer generellen Verringerung des Antibiotikaeinsatzes in der Aquakultur von Garnelen geführt.

Sind durch die Anlage von Teichen für die Garnelenzucht die Mangrovenbestände bedroht?

Der Vorwurf, dass durch die Anlage von Garnelenteichen weitflächig Mangrovenbestände abgeholzt werden, ist nicht ohne weiteres haltbar. Der Schutz der Mangroven wird verstärkt durch neue Umweltschutzrichtlinien in den jeweiligen Produktionsländern überwacht. Nach wie vor sind Mangroven am stärksten durch die zunehmende Landgewinnung im Zuge intensiver Besiedlung bedroht. Dennoch ist es unbestritten, dass auch durch die Aquakultur von Garnelen Mangrovenbestände dezimiert oder beeinträchtigt werden. Sei es durch direkte Abholzung oder durch die Einleitung ungeklärter Abwässer aus intensiv und semiintensiv bewirtschafteten Anlagen oder den für den Unterhalt der Anlagen nötigen Straßenbau. Eine Beeinträchtigung der Mangroven ist nicht primär auf die eingebrachte Nährstofffracht, sondern auf eine verstärkte Sedimentation von Schwebeteilchen zurückzuführen, welche das Wachstum verringern und die Mangroven absterben lassen.

Wird durch den Fang von Elterntieren der Artbestand beeinträchtigt?

Der vermehrte Einsatz von Zuchtlinien hat nicht nur den positiven Effekt, dass u. a. die Krankheitsanfälligkeit reduziert werden konnte, sondern auch einen Rückgang bei der Nutzung wildgefangener Elterntiere zur Folge. Dort, wo noch natürliches Besatzmaterial eingesetzt wird, kann der Fang potentieller Elterntiere sich lokal auf die wildlebenden Populationen auswirken, insbesondere dort, wo sehr viele Farmen dicht zusammenliegen und der Bedarf an Zuchttieren entsprechend hoch ist. Dies ist besonders problematisch, da in natürlichen Populationen meist nur geringen Stückzahlen geeigneter Elterntiere vorhanden sind. Erfreulicherweise geht aber der Einsatz von „wilden" Elterntieren immer weiter zurück, da die erzielten Produktionsausbeuten durch domestizierte Garnelen weitaus besser sind.

Literatur/Links

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Gunawardena, M. and Rowan, J.S., 2005. Economic valuation of a mangrove ecosystem threatened by shrimp aquaculture in Sri Lanka. Environmental Management 36: 535-550.

Klinkhard, M., 2006. Garnelen. 2006, Fachpresse Verlag

Moss, S.M., Moss, D.R., Arce, S.M., Lightner, D.V. and Lotz, J.M., 2012. The role of selective breeding and biosecurity in the prevention of disease in penaeid shrimp aquaculture. Journal of Invertebrate Pathology 110: 247-250.

Paul, B.G. and Vogl, C.R., 2011. Impacts of shrimp farming in Bangladesh: Challenges and alternatives. Ocean & Coastal Management 54: 201-211.

Primavera, J.H., 2006. Overcoming the impacts of aquaculture on the coastal zone. Ocean & Coastal Management 49: 531-545.

Rowley, A.F. and Pope, E.C., 2012. Vaccines and crustacean aquaculture - A mechanistic exploration. Aquaculture 334: 1-11.

Vaiphasa, C., De Boer, W.F., Panitchart, S., Vaiphasa, T., Bamrongrugsa, N., and Santitamnont, P., 2007. Impact of solid shrimp pond waste materials on mangrove growth and mortality: a case study from Pak Phanang, Thailand. Hydrobiologia 591: 47-57.