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Aquakulturlabel

 

Durch die Einführung von Qualitätssiegeln (Label) für Produkte aus der Aquakultur ist es möglich diese mit Eigenschaften wie umweltfreundlich, ökologisch oder Nachhaltigkeit und Qualität zu verknüpfen, ähnlich wie das bereits bei anderen Lebensmitteln durchgeführt wird. Jedes Label garantiert hierbei die Einhaltung von eigenen, festgelegten Kriterien während des Produktionsprozesses. Die dabei zugrundeliegenden Kriterien und deren Gewichtung können von Label zu Label sehr unterschiedlich ausfallen. Generell lassen sich diese Label in zwei Gruppen teilen, in die Bio-Label und die Nicht-Bio-Label. Die meisten Label definieren artübergreifende Standards wie beispielsweise eine maximale Haltungsdichte, Produktionssyteme und verwendete Futtermittel. Da Fischarten jedoch sehr unterschiedliche Lebensweisen haben, sollten artspezifische Unterschiede Eingang finden. So ist bspw. für bodenlebende Plattfische vor allem die zur Verfügung stehende Bodenfläche ausschlaggebend für den Besatz, nicht das Wasservolumen wie bei Forellen, die die gesamte Wassersäule nutzen. Teilweise werden mehrere Labels verwendet. Zu den zzt. gebräuchlichsten zählen nachfolgende Label.

Kurzzusammenfassung

Unterstützte Standards ASC BAP Eu-Bio-Siegel FOS GLOBALG.A.P. Naturland
Tierschutz/
Haltungsdichte
80 kg/m3
(Pangasius)
Richten sich nach gesetzl. Vorgaben.
Angaben zur Haltungsdichte nur für Lachs (25 kg/m3)
10-25 kg/m3
Keine Berücksichtigung artspezischer Unterschiede
Richten sich nach gesetzl. Vorgaben.
Keine Angaben zu Haltungsdichten
Richten sich nach gesetzl. Vorgaben bzw. Kundenwunsch 10 kg/m3
Keine Berücksichti-
gung artspezischer Unterschiede
Medikamenten-einsatz Nach tierärztl. Verschreibung;
es dürfen nur im Importland erlaubte Medikamente verwendet werden
Nach tierärztl. Verschreibung;
es dürfen nur im Importland erlaubte Medikamente verwendet werden
Beschränkungen hinsichtlich Zahl der Behandlungen
und Bestimmungen über die Wartezeiten
Ausschließlich nach tierärztl. Verschreibung Nach tierärztl. Verschreibung;
es dürfen nur im Importland erlaubte Medikamente verwendet werden
Beschränkungen hinsichtlich Zahl der Behandlungen
und Bestimmungen
über die gesetzlich vorgeschriebenen, medikamentenab-hängigen Warte-
zeiten (verdoppelt)
Arbeitsschutz Ja Ja Nein Ja Ja Ja
Umweltschutz Ja, besonders Mangroven Ja, besonders Mangroven Ja Ja, Besonderheit CO2-Bilanzierung Ja, besonders Mangroven Ja, besonders Mangroven (Wieder-
aufforstungspflicht)
Sozialstandard Ja Ja Nein Ja Ja Ja
Futtermittelstandards (Fischöl, Fischmehl) Einzelbestandteile rückverfolgbar Einzelbestandteile rückverfolgbar Einzelbestandteile rückverfolgbar Nur Empfehlungen Einzelbestandteile rückverfolgbar Einzelbestandteile rückverfolgbar

 

Die Labels im Detail

ASC - Aquaculture Stewardship Council

In Weiterentwicklung und als Ergänzung des GlobalG.A.P.-Standards wurde 2009 unter Federführung des WWF, in Anlehnung an das MSC-Siegel bei Fischereierzeugnissen, das ASC-Siegel ins Leben gerufen. Hier entwickelten Fischzüchter, Umweltexperten, Regierungsvertreter und andere Interessengruppen gemeinsame Kriterien für nachhaltige Aquakulturprodukte mit dem Ziel in der Aquakultur bestimmten Standards zu etablieren und so dem Verbraucher eine hohe Qualität und Produktsicherheit zu garantieren.
Seit 2012 liegen nun Umwelt- und Sozialstandards für 12 Spezies vor. Im Gegensatz zum GlobalG.A.P.-Label zählt das des ASC somit zu den Verbrauchersiegel („Consumer"-Label), d. h., dass der Konsument mit Hilfe des Labels eine Entscheidungshilfe und Informationsquelle für angebotene Produkte erhält.

BAP - Best Aquaculture Practices
Die Best Aquaculture Practices (BAP) Standards werden von der 1997 gegründeten Global Aquaculture Alliance (GAA) festgelegt und kontrolliert. Sie beinhalten Tierschutz- und Nachhaltigkeitsaspekte ebenso wie Rückverfolgbarkeit und Lebensmittelsicherheit. Die Verwendung von pflanzlichen Alternativen für Fischmehl und -öl in Futtermitteln wird hierbei ausdrücklich unterstützt. Neben den definierten, artspezifischen Standards für Lachs, Garnelen, Pangasius, Tilapia, Gabelwels und Muscheln bietet BAP als einzige Organisation die Möglichkeit der nicht spezies-spezifischen übergreifenden Zertifizierung von Fischen und Krebstieren, welche nicht in Einzelstandards erfasst werden (z. B. für Arten, die in geringeren Mengen produziert werden und daher aus der Zertifizierung der meisten Organisationen herausfallen).
Deutsches (EU) staatliches Bio-Siegel
Deutsches staatliches Bio-Siegel

Im Jahr 2007 wurde ein eigener Bereich zur ökologischen Aquakultur in die EU-Öko-Basisverordnung aufgenommen (EG Nr. 834/2007). Die damit einhergehenden Durchführungsbestimmungen gelten seit 2010. Bei der Bio-Aquakultur steht die kontrollierte Zucht von Fischen unter Berücksichtigung gesundheitlicher und ökologischer Aspekte im Vordergrund. Wesentliche Unterschiede zur konventionellen Aquakultur sind, dass die Fische in geringeren Besatzdichten gehalten werden müssen (max. 25 kg/m3) und nur Futtermittel aus ökologischer Produktion (Ausnahmeregelung bis 31.12.2014) verwendet werden dürfen. Die Haltung in emmissionsarmen, geschlossenen Kreislaufanlagen ist nur für die Aufzucht von Brut und Jungtieren zulässig. Dies wird im Hinblick auf die ökologischen Vorteile geschlossener Systeme (Kreislaufanlagen) vielfach kritisiert. Die Verwendung von pflanzlichen Bestandteilen bei Futtermitteln für karnivore Fische ist derzeit eingeschränkt. Vor dem Hintergrund der ökologisch sinnvollen Substitution von Fischmehl bei Schonung von Wildbeständen ist auch hier ein Diskussionsbedarf zu verzeichnen. Das staatliche Öko-Siegel gilt als ausgewiesenes „Consumer"-Label.

FOS - Friend of the Sea
Das weltweit verbreitete Konsumenten-Label von Friend of the Sea (FOS) wurde 2005 von Paolo Bray, dem europäischen Direktor des Dolphin-Safe-Labels, gegründet. Es ist der einzige Standard, der nachhaltige Fischerei und Aquakultur gleichermaßen abdeckt. Die zurgrunde liegenden Kriterien wurden ursprünglich von FOS selbst festgelegt, orientierten sich aber an den FAO-Richtlinien für nachhaltige Fischerei (vor allem für die Produktion von Fischmehl und -öl). Den wachsenden Ansprüchen im Bereich der Aquakultur wurde durch zahlreiche Neuerungen in den Jahren 2009 und 2010 Rechnung getragen, u. a. müssen Produzenten nun jährlich eine CO2-Bilanzierung vorlegen. Im Hinblick auf die Nutzung nachhaltig produzierter Futtermittel (es werden nur Empfehlungen ausgesprochen), Besatzdichten (hier werden keine Grenzwerte angegeben oder Empfehlungen ausgesprochen) und eine komplette Rückverfolgbarkeit weist dieses Label aber noch Schwächen auf.
GLOBALG.A.P.

GlobalG.A.P. wurde 1997 eingeführt mit dem Ziel, anerkannte Standards für eine „Gute Praxis in der Landwirtschaft" (Good Agriculture Practice, GAP) zu etablieren. Im Jahre 2004 wurden diese Standards auch für die Aquakultur ausgearbeitet. Sie umfassen die Bereiche Lebensmittelsicherheit, Tierschutz, Arbeitsschutz, Umweltschutz und soziale Faktoren bei der Produktion. Die Standards für die Zertifizierung umfassen alle Stufen des Produktionsprozesses, von der Larvenproduktion über die Mast bis zur Schlachtung. Grundlegend dabei ist die nachweisbare Trennung und die damit einhergehende Rückverfolgbarkeit einzelner Produktionsschritte. Die Global G.A.P.-Zertifizierung gilt als reiner „business to business"-Standard, d. h., dass dieser vorrangig Informationen für die Handelspartner vom Produzenten hin zum Einzelhandel liefert.

Naturland
Naturland

Seit Mitte der 1990er-Jahre hat der Naturland-Verband Richtlinien für verschiedene Arten und Haltungssysteme der Aquakultur entwickelt und gilt somit als Vorreiter der Öko-Zertifizierung in der Aquakultur. Naturland schreibt nicht nur produktionstechnische, sondern auch soziale Standards vor. Im Gegensatz zum staatlichen Öko-Siegel darf nur nach Naturland-Richtlinien zertifiziertes Futter zum Einsatz kommen. Die maximale Besatzdichte liegt bei 10 kg/m3. Hier wären artspezifische Anforderungen eine sinnvolle Erweiterung, da erhöhter sozialer Stress aufgrund geringer Haltungsdichten bei geselligen Arten in der Fachliteratur beschrieben wird. Der Einsatz von Chemikalien ist untersagt und strenge Vorgaben regeln Natur- und Tierschutz. Die Aufzucht und Mast in künstlichen Behältnissen ist nach den Richtlinien von Naturland nicht zulässig, was eine Haltung in geschlossenen, emmissionsarmen Kreislaufanlagen ausschließt. Das Siegel von Naturland ist ebenfalls ein „Consumer"-Label