Wirtschaftlichkeit

Ein Beitrag von Aquakulturinfo in Zusammenarbeit mit Gesine Behrens, Thünen-Institut für Seefischerei & Dr. Tobias Lasner, Thünen-Institut für Fischereiökologie

 

Nehmen Aquakulturen am Markt teil, handelt es sich um landwirtschaftliche Unternehmungen. Aquakulturbetriebe arbeiten dann wirtschaftlich, wenn ihre erzielten Erlöse höher sind als der mit ihnen verbundene Aufwand, sie also Gewinne erzielen. 

tl_files/data_site/REDAKTIONSDATEN/Fotos/Themenbereiche/Oekonomie/381 Wirtschaftlichkeit.jpgVom Gewinn bestreitet der Betriebsleiter letztlich sein Einkommen und bildet finanzielle Rücklagen für seinen Betrieb. Umso effizienter eine Aquakultur bewirtschaftet wird, desto besser kann sie sich am Markt mit ihren Produkten gegenüber konkurrierenden Unternehmen positionieren. Die Wirtschaftlichkeit ist hierbei ein wichtiges Maß zur Ermittlung der Effizienz einer Unternehmung im ökonomischen Sinne. In einer Wirtschaftlichkeitsbetrachtung
werden alle in den Betrieb eingebrachten Mengen (Besatzfische, Futter, Energieaufwand, Arbeitsstunden usw.) mit den durch den Betrieb erbrachten Produktionsmengen (Speisefische, Filets usw.) monetär bewertet. Es stehen sich also Geldbeträge in Form von Kosten (Aufwand) und Erlösen (Leistung) gegenüber, die miteinander verglichen werden. 
Die Wirtschaftlichkeit eines Betriebes kann dementsprechend entweder durch die Reduzierung der Kosten oder die Erhöhung der Erlöse gesteigert werden. Wichtige Posten auf der Aufwandseite sind Kapitalkosten (z. B. für Bau und Instandhaltung einer Anlage), Betriebsmittel (in erster Linie Futter, Energieaufwendung sowie Besatzfische) und die Arbeitskosten (Gehalt des Betriebsleiters, Angestelltenlöhne). Dem gegenüber stehen die Erträge, die aus dem Verkauf der erzeugten Produkte (z. B. frisch geschlachteter Karpfen, geräucherte Forelle) resultieren. Die Art der Bewirtschaftung und der damit verbundene Aufwand in der Aquakultur ist so unterschiedlich wie die Methoden der Zucht der jeweiligen Wasserorganismen. Fische, Krebstiere, Muscheln und Algen können in extensiv bewirtschafteten naturnahen Teichen, in semi-intensiven Netzgehegen und Durchflussanlagen oder aber auch in intensiv arbeitenden, hochtechnisierten Kreislaufanlagen bis zur Vermarktungsreife aufgezogen werden.

Ein Karpfen, der in einem Erdteich extensiv gemästet wird, muss nur wenig tlw. gar nicht gefüttert werden. Im Teich entwickeln sich ausreichend Futterorganismen wie Pflanzen, Plankton und Bodentiere (Insektenlarven, Schnecken und Würmer), die eine gute Ernährungsgrundlage für die Aufzucht bieten. Die Kosten für Fischfutter sind deshalb gering. Dagegen benötigen Teiche mehr Raum. Flächen müssen gepachtet, die Teichdämme unterhalten und bspw. nach einem Bisameinfall repariert werden. Trockenlegen des Teichbodens, Kalkung oder Düngung wirken sich insbesondere auf die Arbeitskosten aus. Eine Forellenwirtschaft benötigt hingegen relativ wenig Platz (Fläche/kg Ertrag). Futter wird jedoch benötigt, dafür wird der Teichboden nicht aufgekalkt oder gedüngt. Da Forellen als karnivore Art mit proteinreichen Futtermitteln aufgezogen werden, ist der Kostenaufwand entsprechend hoch. Dieser Vergleich von nur drei Faktoren (Futter, Raum, Unterhalt) der beiden Produktionssysteme zeigt schon, wie unterschiedlich die Kostenstruktur in der Aquakultur sein kann: Während die Futterkosten bei Lachsartigen wie der Forelle bis 50 % des gesamten Aufwandes ausmachen können, fallen diese in der Regel mit einem Anteil zwischen 10 und 20 % in der Karpfenteichwirtschaft wesentlich geringer aus. In der Karpfenteichwirtschaft trägt vor allem der benötigte Arbeitseinsatz zum Kostenaufwand bei.
Die Wirtschaftlichkeit lässt sich natürlich nicht nur auf der Produktions-, sondern auch auf der Absatzseite beeinflussen. Die Preise, die ein Fischwirt für seine Erzeugnisse erzielt, hängen stark von der jeweiligen Absatzstrategie (Distributionspolitik) ab. Die Erlöse in der Direktvermarktung sind in der Regel um ein Vielfaches höher als dies beim Einschalten eines Absatzmittlers (z. B. in Form des Großhändlers) der Fall ist. Die Direktvermarktung ist wiederum mit höheren Arbeits- und Vermarktungskosten als die Vermarktung über den Großhandel verbunden: Ein Marktstand muss betrieben, die Ware zum Ort des Verkaufs gebracht, ein Verkäufer eingestellt werden usw. Auch ist die Warenmenge, die direkt in der Region vermarktet werden kann, meist begrenzt. Großhändler hingegen geben in der Regel ein Minimum an Warenmenge für die Abnahme vor, um u. a. ihre Logistikkosten decken zu können. Somit ist die Produktionsmenge entscheidend für Vermarktungsstrategie.

In der Regel setzen Fischwirte, die größeren Aquakulturen vorstehen, ihre Ware über Absatzmittler, diejenigen, die kleineren Aquakulturen vorstehen, ihre Ware direkt an die Endverbraucher vor Ort ab. Mittelfranken bspw. ist geprägt von kleinen, oft nebenerwerblich betriebenen Karpfenteichwirtschaften mit einer durchschnittlichen Teichfläche von ca. 2 ha. Hier werden die Karpfen hauptsächlich direkt an Endverbraucher oder an die regionale Gastronomie vermarktet. Die Karpfenteichwirtschaften in der Oberlausitz sind mit einer durchschnittlichen Teichfläche von ca. 150 ha wesentlich größer, was sich natürlich auch in den erzeugten Erntemengen niederschlägt. Hier findet die Vermarktung deshalb hauptsächlich über den Großhandel statt.
Die Wirtschaftlichkeit ist in der ökonomischen Bewertung einer Aquakultur ein wichtiges, aber nicht das einzige Maß. Sie zeigt nur einen Ausschnitt der Aktivitäten eines Betriebes. Eine ganzheitliche Betrachtung einer Unternehmung würde noch weitere ökonomische Kennwerte und Maße wie bspw. die Rentabilität (das Verhältnis zwischen dem erwirtschafteten Gewinn und dem eingesetzten Kapital) oder aus der Unternehmung resultierende Vor- und Nachteile für das Umfeld (Externalitäten) berücksichtigen.


Weiterführende Literatur:


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