Aquakultur in Zahlen

Die Aquakultur stellte in den vergangenen Jahrzehnten den am schnellsten wachsenden Zweig der Ernährungswirtschaft dar. Bild: Pixabay

Auf einen Blick: Aquakultur in Zahlen

Vielerorts hat die Aquakultur eine lange Tradition und die Wurzeln reichen mehrere Hundert bis Tausende Jahre zurück. Im Vergleich zur Fangfischerei spielte die Aquakultur bei der weltweiten Versorgung mit Fischen, Meeresfrüchten und anderen Wasserorganismen jedoch lange eine untergeordnete Rolle. Auf Grund stagnierender Fangerträge (sog. Anlandungen) aus der Fischerei, der schnell wachsenden Weltbevölkerung und der steigenden Produktnachfrage erlebt die Branche seit den 1980er Jahren einen rasanten Anstieg. Die Aquakultur stellte in den vergangenen Jahrzehnten den am schnellsten wachsenden Zweig der Ernährungswirtschaft dar und 2018 wurden weltweit bereits über 114,5 Mio. t Fische (ca. 54 Mio. t), Weichtiere (ca. 18 Mio. t), Krebstiere (ca. 9 Mio. t), Algen und weitere Wasserorganismen in Aquakulturen produziert (FAO, 2020).

In diesem Artikel finden Sie die wichtigsten Kennzahlen der weltweiten Aquakulturproduktion. Diese Angaben basieren zu einem großen Teil auf dem Report zum Status der globalen Fischerei und Aquakultur (engl. The State of World Fisheries and Aquaculture, SOFIA) der Ernährungs- und Landwirtschaftsorganisation der Vereinten Nationen (engl. Food and Agriculture Organization of the United Nations, FAO). Der aktuelle SOFIA-Report (2020) bezieht sich auf die Produktionszahlen im Jahr 2018.

Zum Videobeitrag Aquakultur in Deutschland auf Aquakulturinfo.

_________________________

Weltweite Produktion

Die weltweite Produktion von Fischen, Weichtieren (z. B. Muscheln), Krebstieren und weiteren aquatischen Organismen (ohne Pflanzen oder Algen, Reptilien, aquatische Säugetiere etc.) lag im Jahr 2018 bei 179 Mio. t (Anlandungen und Aquakulturen zusammen). Aus Aquakulturen stammten mit insgesamt 82 Mio. t 46 % dieser Gesamtmenge. Ohne Berücksichtigung der Produktion für andere Zwecke als die menschliche Ernährung (vor allem die Produktion von Fischmehl- und -öl; insg. 22 Mio. t.) lag der Anteil der Aquakulturen bei 52 %.

Zu diesen 82,1 Mio. t Fischen und anderen Meeresfrüchten aus Aquakulturen kamen 32,4 Mio. t aquatische Pflanzen und Algen (mehrheitlich Tange und Seegräser, weniger Mikroalgen; insg. 97,1 % der weltweiten Produktion) sowie weitere Produkte, welche nicht für die menschliche Ernährung vorgesehen waren (z. B. für Kosmetikprodukte, Perlen). Mit 54,3 Mio. t stellen Fische die wichtigste Tiergruppe in der Aquakultur dar, gefolgt von Weichtieren (17,7 Mio. t), Krebstieren (9,4 Mio. t) und anderen wasserlebenden Tieren (936 700 t).

Mit 62,5 % fand der überwiegende Teil der Erzeugung in Aquakulturen im Inland statt (nur Fische und Meeresfrüchte). Hier wurde der Großteil der Fische (91,5 % bzw. 47 Mio. t) produziert. In Marikultur, also der Aquakultur in Meeres- und Küstengewässern, dominierten Weichtiere mit 17,7 Mio. t bzw. 56,2 %. Während im Jahr 2000 noch knapp 44 % der Aquakulturprodukte aus extensiven Systemen (ohne Fütterung) stammte, waren es 2018 nur noch 30,5 %.

China war auch 2018 weltweit mit Abstand der größte Erzeuger von Fischen und Meeresfrüchten (fast 58 % der globalen Produktion). In China wird also mehr produziert als in der restlichen Welt zusammengenommen. Weitere wichtige Produktionsländer sind Indien, Indonesien, Vietnam, Bangladesch, Ägypten und Norwegen.

In der Europäischen Union (EU) folgt die Produktion von Fischerei- und Aquakulturerzeugnissen nicht bzw. nur langsam dem globalen Trend. Im Jahr 2015 stammten nur knapp 20 % (insg. 1,26 Mio. t) der Erzeugnisse aus Aquakulturen (Eurostat). Spanien (23,3 %), das Vereinigte Königreich (16,8 %) und Frankreich (13,0 %) stellten zusammen über die Hälfte des Produktionsvolumens der EU. Die EU zusammengenommen hatte 2015 ca. 1,2 % Anteil an der weltweiten Aquakultur. Im Jahr 2018 waren es 1,65 %. Im internationalen und auch innereuropäischen Vergleich ist die Aquakultur in Deutschland eher unbedeutend. Erfahren Sie mehr zur Aquakultur in Deutschland im Informationsfilm auf Aquakulturinfo.

Globale Produktion in Aquakultur 2020

Arten

Im Jahr 2018 wurden insgesamt 622 „Arten-Meldungen“ (engl. species items) gelistet, welche weltweit jemals in Aquakulturen bewirtschaftet wurden. Ein solches species item bezieht sich auf eine einzelne Art, eine Artengruppe (wenn die Identifikation einer einzelnen Art nicht möglich ist) oder einen Hybriden.

Trotz dieser großen Diversität wird die Aquakultur von nur einer kleinen Anzahl Arten bzw. Artengruppen dominiert. Nur 27 Arten(-gruppen) trugen 2018 zu über 90 % der globalen Produktion bei. Die 20 am häufigsten bewirtschafteten Arten(-gruppen) haben alleine einen Anteil von 83,6 % an der weltweiten Erzeugung.

Arten in Aquakultur 2020

Die folgenden Fischarten haben jeweils einen Anteil von über 5 % an der weltweiten Erzeugung: Graskarpfen (Ctenopharyngodon idellus) 10,5 %, Silberkarpfen (Hypophthalmichthys molitrix) 8,8 %, Tilapia (Oreochromis niloticus) 8,3 %, Karpfen (Cyprinus carpio) 7,7 %, Marmorkarpfen (Hypophthalmichthys nobilis) 5,8 %, Catlabarbe (Catla catla) 5,6 % und Karauschen (Carassius spp.) 6,1 % Der in Deutschland so beliebte Atlantische Lachs (Salmo salar) liegt mit einem Anteil von 4,5 % auf Rang 9 und der Pangasius (Pangasius spp.) mit 4,3 % auf Rang 10. Die Dominanz der Karpfenartigen liegt vor allem an der enormen Bedeutung in der chinesischen Aquakultur.

Die Produktion von Krebstieren wird klar von der Weißfuß-Garnele (Litopenaeus vannamei) dominiert. Über die Hälfte (53 %) der weltweiten Produktion von Krebstieren in Aquakultur entfallen alleine auf diese Art. Bei den Weichtieren spielen Austern (Crassostrea spp.) mit 29,5 % und die Japanische Teppichmuschel (Ruditapes phlippinarum) mit 23,6 % eine wichtige Rolle.

Laut Erhebungen für das Jahr 2014 wurden in der EU über 130 Arten in Aquakulturen erzeugt. Auch hier machen wenige Arten einen Großteil der Produktion aus. Die 10 häufigsten Arten haben einen Anteil von 90 % an der Gesamtproduktion (Eurostat). Die wichtigsten Arten in der EU sind Miesmuscheln (Mittelmeer-Miesmuschel, Mytilus galloprovincialis und Gemeine Miesmuschel, Mytilus edulis), Atlantischer Lachs und Regenbogenforellen (Oncorhynchus mykis) (Eurostat). In Deutschland dominieren Karpfen und ebenfalls Regenbogenforellen sowie die Gemeine Miesmuschel die Produktion in Aquakulturen (Destatis).

Pro-Kopf-Verbrauch

In den Jahren von 1961 bis 2017 ist der Verbrauch von Fischen und Meeresfrüchten um durchschnittlich 3,1 % angestiegen und wuchs somit schneller als die Bevölkerung (1,6 %). Im gleichen Zeitraum stieg die Nachfrage nach terrestrischen Tierprodukten um durchschnittlich 2,7 %. Der Pro-Kopf-Verbrauch stieg von 9,0 kg im Jahr 1961 auf 20,3 kg im Jahr 2017. Erste Schätzungen für das Jahr 2018 gehen von 20,5 kg aus. Dies entspricht einer Steigerung von etwa 1,5 % pro Jahr. Fische und Meeresfrüchte liefern ungefähr 17 % des globalen Tierproteins für die menschliche Ernährung.

Der Verbrauch ist hierbei regional sehr unterschiedlich und reicht je nach Land und Region von unter 1 kg bis über 100 kg pro Kopf und Jahr. In Europa waren es im Jahr 2015 etwa 22,5 kg. Laut dem Fisch-Informationszentrum (FIZ) liegt der jährliche Pro-Kopf-Verbrauch in Deutschland mit ca. 14 kg im Jahr deutlich unter dem weltweiten und auch dem europäischen Durchschnitt. Mit dem Atlantischen Lachs steht ein Fisch auf den vordersten Plätzen der Liste der beliebtesten Arten in Deutschland, der zum Großteil aus Aquakulturen stammt (FIZ). Weitere wichtige Fischarten aus Aquakulturen sind Forelle, Pangasius, Karpfen und Dorade (FIZ). 

Ökonomie

Der Erstverkaufswert der Aquakulturproduktion (inkl. aquatischer Pflanzen) lag im Jahr 2018 bei geschätzten 250 Milliarden US-Dollar (Fangfischerei ca. 150 Milliarden Dollar). Dies entspricht bei einem aktuellen Wechselkurs von Euro: US-Dollar 1:1,12 (26.06.2020) einer Summe von über 222 Milliarden Euro. Der Wert der EU-Aquakulturproduktion lag 2015 bei etwa 4,13 Milliarden Euro (Eurostat).

Fische und Meeresfrüchte gehören mit insgesamt 67 Mio. t weltweit zu den am meisten gehandelten Nahrungsmitteln. Im Jahr 2018 kamen in etwa 38 % der Gesamterzeugung in den internationalen Handel (zur menschlichen Ernährung oder für andere Zwecke; Anstieg um 3 % im Vergleich zu 2016). Somit entfallen etwa 11 % der weltweiten Exporte im gesamten Landwirtschaftssektor (ohne Forstwirtschaft) auf diese Erzeugnisse.

Die Kombination aus verhältnismäßig geringer Eigenproduktion und gleichzeitig hohem Pro-Kopf-Verbrauch macht die EU zu einem wichtigen Importmarkt. Sie stellt insgesamt den weltweit größten Einzelmarkt dar (Fischerei- und Aquakulturerzeugnisse; 34 % Anteil am globalen Importmarkt). Alleine Deutschland hatte im Jahr 2018 einen Anteil von 4 % am globalen Import. Es wurden knapp 2 Mio. t Fischprodukte (inkl. Meeresfrüchten etc.) importiert.

Von den weltweit 59,51 Mio. Beschäftigten (Voll-, Teilzeit oder als Gelegenheitsarbeit) arbeiten etwa 20,53 Mio. Menschen in der Aquakultur. Der Frauenanteil wird auf 14 % geschätzt (Fischerei und Aquakultur). In der EU arbeiteten 2015 ungefähr 39 000 Beschäftigte in der Aquakultur (Eurostat).

Seite teilen