Barramundi

Lates calcarifer
Barramundis (Lates calcarifer) erreichen Größen von 2 m. Das Fleisch des Barramundi ist sehr fest, hell und wohlschmeckend. Dennoch ist die Art in Aquakultur ein Nischenprodukt.

Der Barramundi (Lates calcarifer) ist mit einer Maximalgröße von 2 m und einem hohen Rücken ein sehr imposanter Fisch. Foto: Stak Lin

Der Barramundi (Lates calcarifer) ist mit einer Maximalgröße von 2 m und einem hohen Rücken ein sehr imposanter Fisch. In seinem natürlichen Verbreitungsgebiet, dem indopazifischen Raum, ist er nicht nur wegen seines aromatischen Fleisches ein besonders begehrter Speisefisch, sondern auch ein kämpferischer Sportfisch. Bereits 8000 Jahre alte Felsenmalereien der Aborigines zeigen diesen großen Barsch, der offensichtlich bereits damals als Nahrungsquelle diente. Erste Bestrebungen, diesen begehrten Fisch in Aquakultur zu nehmen, erfolgten seit den 1970er Jahren.

Short profile

Hauptproduktionsländer
Größe
bis 2 m, meist kleiner
Herkunft
Indopazifik, Pazifik
Nahrung
Wirbellose, Fische, Amphibien, Vögel, Reptilien
Jahresproduktion
107.868 t (2019, FAO)
Biologie

Barramundis sind protandrische Zwitter, d. h. in jungen Jahren sind alle Tiere zunächst Männchen und wandeln sich dann ab einer Länge von ca. 70 cm in Weibchen um. Äußerlich unterscheiden sich die beiden Geschlechter dabei nicht (Geschlechtsdimorphismus). Charakteristisch sind das große Maul und eine weit ausgezogene erste Rückenflosse mit 7 - 9 Stachelstrahlen.

Barramundis sind im Indopazifischen Gebiet vom südlichen Teil Japans, Indochinas und Indien bis zum östlichen Bereich des Persischen Golfs und südlich von Indonesien bis Papua-Neuguinea beheimatet.

Als euryhaline Fische sind sie nicht nur im Küstenbereich des Indopazifiks anzutreffen, sondern auch im Brack- und Süßwasser. Zu ihrem natürlichen Nahrungsrepertoire zählen neben Fischen, Krebstieren und Mollusken auch Reptilien, Amphibien, Vögel und Insekten. Bei einem ausreichenden Nahrungsangebot können sie so bis zu 2 m lang werden und ein Gewicht von 60 kg erreichen.
Die natürliche Fortpflanzung des Barramundi findet je nach Breitengrad zwischen September und Mai statt. Als katadrome Wanderfische ziehen sie flussabwärts und laichen vorrangig im Brackwasserbereich. Die Rogner laichen bei der Paarung bis zu 40 Millionen (durchschnittlich 6 – 8 Millionen) der bis zu 0,8 mm großen Eier ab, die dann durch den Milchnern befruchtet werden. Das Laichgeschehen selbst findet zumeist in Nachtstunden nach Voll- oder Neumond statt, da zu dieser Zeit der Tidenhub am größten ist (Springtide). Bereits 12 bis 17 h (zum Vergleich, die Larven des Kabeljaus benötigen ca. 14 Tage bis zum Schlupf, die des Atlantischen Lachses sogar 44 Tage) nach der Befruchtung schlüpfen die Larven und suchen Schutz im Vegetationsbereich der Flussmündung. Ihre ersten Lebensmonate verbringen die juvenilen Barramundis im nahrungsreichen Überschwemmungsbereich, welcher zusätzlich auch Schutz vor Räubern bietet. Mit dem Ende der Regenzeit wandern die Jungfische aus diesem Bereich ab und schwimmen stromauf. Die folgenden 2 bis 3 Jahre verbringen sie im Fluss, um dann zu Beginn der Laichzeit (gegen Ende der Trockenzeit) als geschlechtsreife Männchen in den Brackwasserbereich zurückzuwandern und sich dort zu paaren. Nach der Laichzeit verbleiben die Milchner zusammen mit den Rognern im Brackwasserbereich, wo sie zumeist ein ausreichend großes Nahrungsangebot vorfinden.

Aquakultur

Der Barramundi ist aufgrund der Produktionsmengen von ca. 108.000 t jährlich (FAO, 2021) noch ein Nischenprodukt. Die bedeutendsten Produzenten befinden sich alle im asiatischen Raum: Malaysien (ca. 17.000 t), Thailand (ca. 47.000 t), Indonesien (ca. 12.000 t) und Taiwan mit ca. 18.000 t Jahresproduktion. Da sein Fleisch des Barramundi sehr fest, hell und wohlschmeckend ist, einen hohen Marktpreis erzielen kann (15 – 25 €/kg) und er auch in der Aquakultur sehr robust und schnellwüchsig ist, wurde ein weiterer Anstieg des Produktionsvolumens in den vergangenen Jahren erwartet. Eine Steigerung der Produktion konnte jedoch nicht beobachtet werden. Die großen Barsche werden meistens in fest verankerten oder mobilen Netzgehegen mit Größen zwischen 3 x 3 und 10 x 10 m aufgezogen. Diese Gehege sind entsprechend den Umweltansprüchen der Fische im Brack- oder Süßwasser positioniert. Wurden früher die Besatzfische für die Aufzucht aus der freien Natur entnommen, so stehen heutzutage Techniken zur jahreszeitlich unabhängigen Reproduktion des Barramundi zur Verfügung:

Unter kontrollierten Bedingungen werden Laichfische bei ca. 25 °C in mit Brack- oder Süßwasser gefüllten Tanks oder Betonrinnen gehältert. Die Reifung der Geschlechtsprodukte wird durch eine Fütterung mit Fisch (Sardinen, Anchovis, Meeräschen und Kopffüßern) unterstützt (z. T. werden diese noch zusätzlich mit Vitaminen angereichert). Die finale Reifung der Geschlechtsprodukte wird durch eine schrittweise Erhöhung des Salzgehaltes (Salinität) von 0,5 ‰ (Süßwasser) bis 17 ‰ (Brackwasser) - tlw. sogar auf 28 bis 35 ‰ - induziert. Die Laichbereitschaft zeigen die Tiere durch eine erhöhte Schwimmaktivität an. Das Ablaichen wird dann durch eine kurzfristige Erhöhung der Wassertemperatur von ca. 25 °C auf 31 bis 32 °C, gefolgt von einer Abkühlung auf 27 bis 28 °C, eingeleitet. Dieser Vorgang simuliert den tidenabhängigen Temperaturwechsel während der natürlichen Laichzeit. Die befruchteten Eier können dann leicht aus dem Zuchttank entnommen werden, da sie, wie bei den meisten marinen Arten, einen kleinen Öltropfen enthalten und dadurch an der Wasseroberfläche schwimmen.

Reproduktionszyklus des Barramundi

Wie in der Natur schlüpfen die Larven bei einer Wassertemperatur von 26 bis 30 °C innerhalb von 12 bis 17 h. Nach weiteren 35 bis 40 h beginnen sie damit aktiv Nahrung aufzunehmen. Für die weitere Aufzucht der Larven haben sich zwei verschiedene Methoden etabliert. Diese unterscheiden sich besonders im personellen und technischen Aufwand sowie im Ertrag.

I. Intensive Aufzucht
Im intensiven Aufzuchtverfahren werden die Larven bei einer Haltungsdichte von 50 – 100 Tieren pro l = 35 g/m³) in sogenanntem grünem Wasser (durch den Zusatz von Algen, zumeist Nannochloropsis spp. und/oder Tetraselmis spp.) aufgezogen. Gefüttert werden sie zunächst mit Copepoden (Brachionus spp.), dann nach wenigen Tagen mit den größeren Artemien, Daphnien und Rädertierchen (Rotifera). Diese Futterorganismen können mit speziellen Zusatzstoffen angereichert werden (Vitamine und ungesättigte Fettsäuren [HUFA], z. B. Docosahexaensäure [DHA], Arachidonsäure [ARA] oder Eicosapentaensäure [EPA]). Wenn die jungen Barramundis eine Länge von mind. 1 cm erreicht haben, können sie auf kommerzielles Pelletfutter umgestellt werden (weaning). Während der Aufzuchtphase werden die Tiere regelmäßig (alle drei bis vier Tage) der Größe nach sortiert (grading) und entsprechend umgesetzt. Damit kann der Kannibalismus unter den Tieren deutlich reduziert werden.

II. Extensive Aufzucht
Eine ebenfalls praktizierte und weit weniger aufwendigere Methode ist die Aufzucht der Larven in flachen, 0,05 bis 1 ha großen Teichen (die Besatzdichten liegen dabei zwischen 400.000 und 900.000 Tieren/ha). Gefüttert werden die Tiere dabei nur indirekt über eine Steigerung der Planktonproduktion mittels organischen Düngers.

Aufwuchsphase:
Haben die jungen Barramundis eine Größe von 2,5 cm erreicht, werden sie in Aufzuchtteiche oder Netzgehege überführt, die entweder von Süß- oder Brackwasser durchflossen werden. Durch die Fütterung mit Pelletfutter oder Futterfisch erreichen sie innerhalb von 30 bis 45 Tagen eine Größe von 5 bis 10 cm. Ab dieser Größe werden sie dann in Teiche oder Netzgehege überführt, die sich in Besatzdichte, Größe und den damit verbundenen Arbeitsaufwand voneinander unterscheiden:

1. Extensive Aquakultursysteme
Extensive Aquakultursysteme sind relativ große Teichanlagen, die mit 2000 bis 3000 Jungfischen pro ha besetzt werden. Problematisch ist bei dieser Produktionsform, dass ein regelmäßiges Sortieren der Fische nur sehr schwer möglich ist und daher Kannibalismus aufgrund deutlicher Größenunterschiede auftritt.

2. Semi-intensive Aquakultursysteme
Die semi-intensive Aufzucht des Barramundi ist die am häufigsten praktizierte Methode. Die Tiere werden dabei in Besatzdichten zwischen 15 und 40 kg/m³ (max. 60 kg) gehältert. Die Gehegegrößen variieren je nach örtlichen Gegebenheiten und Vermarktungsmöglichkeiten von 3 x 3 m bis 10 x 10 m. Gefüttert werden die Tiere entweder mit Futterfisch oder - immer häufiger - mit Pelletfutter. Bei der Verwendung von Futterfisch werden ca. 4 - 8 kg für 1 kg Barramundi benötigt (Futterverwertung FCR = 4 – 8). Bei Verwendung von Pelletfutter werden FCR von 1 – 1,25 erreicht (zu berücksichtigen ist der geringe Wassergehalt von Pelletfutter).

3. Intensive Aquakultursysteme
Die intensive Mast des Barramundi wird zumeist dort praktiziert, wo kein direkter Wasserzugang gegeben ist oder die örtlichen Umgebungstemperaturen für eine Freilandkultur nicht ausreichend sind (z. B. in Südaustralien). Hier erfolgt die Zucht nahezu ausnahmslos in Kreislaufsystemen (RAS) bei relativ geringen Besatzdichten von max. 25 kg/m³. Durch die Verwendung von Pelletfutter ist es in diesen Anlagen möglich, vermarktungsfähige Tiere (um 1 kg) innerhalb von 6 Monaten bei einer Futterverwertung FCR von 0,75 (unter optimalen Bedingungen) zu produzieren.

Produktangebot

Ganze Tiere: Das Angebot variiert insbesondere zwischen den Herkunftsländern. Während im asiatischen Raum häufig lebende Fische von bis zu 3 kg vermarktet werden, können im australischen und europäischen Raum entweder Portionsfische zwischen 600 und 900 g oder Filets vermarktet werden.

Filet: Da beim Barramundi eine Filetausbeute von über 45 % erzielt wird (Steinbutt 30 %, Forelle und Dorade 45 %, Karpfen 55 %), ist dies eine wichtige Vermarktungsstrategie für den europäischen Markt. Vermarktet wird vorrangig Frostware in Größen von 170 bis 250 g.

Zertifizierung

Da der Barramundi in der Aquakultur noch ein Nischenprodukt ist, ist auch die Quantität zertifizierter Produkte sehr beschränkt verfügbar. Zurzeit sind z. B. Produkte verfügbar, die nach dem GlobalGAP und dem BAP Standard produziert wurden.

Nachgehakt

Stellen aus Anlagen entkommene Barramundis (Escapees) eine Gefahr für das Ökosystem dar?

In der Aquakultur des Barramundi ist die Ausbreitung aufgrund seines breiten Nahrungsspektrums, von Würmern, Schnecken, Krebstieren bis hin zu Fischen und seiner euryhalinen Lebensweise eine Gefahr und muss bei der Auswahl neuer Aquakulturstandorte berücksichtigt werden. Eine Risikoanalyse muss stets länderspezifisch vorgenommen werden. Im europäischen Raum sind Escapees unproblematisch, weil die Temperaturen für ein Überleben in freier Natur zu niedrig sind. Eine Studie aus dem Jahr 2012 der Florida Fish and Wildlife Conservation Commission (FWC) stufte die potentiellen Gefahren einer Ausweitung der Barramundi Zucht in Florida als hoch ein. Da die klimatischen und räumlichen Gegebenheiten denen des natürlichen Verbreitungsgebietes weitestgehend entsprechen, ist in Florida eine Aquakultur des Barramundi nur in geschlossenen Anlagen (Kreislaufanlagen, RAS) genehmigungsfähig. Die größte Problematik sieht das FWC dabei allerdings nicht in den Aquakulturbetrieben, sondern bei möglichen illegalen Besatzmaßnahmen durch Angler (wie z. B. bei den diversen Arten der äußerst anpassungsfähigen Schlangenkopffische (Channidae) oder des Silberkarpfens (Hypophthalmichthys molitrix) dokumentiert.

Literatur & Links

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Produktionsstatistiken: Food and Agriculture Organisation of the United Nations (FAO); FIGIS (online database for aquaculture production; http://www.fao.org/fishery/statistics/global-aquaculture-production/query/en)

 

[Stand 05/2019]

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