Fischhaltung

Haltung von Fischen und aquatischen Wirbellosen
Beitrag von Anne-Sophie Berns und Dr. Dirk Willem Kleingeld, aktualisiert und überarbeitet von Dr. Julia Bauer, Niedersächsisches Landesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit

Tierschutz (Tierwohl) und Tiergesundheit sind mit Blick auf die Haltung von Nutztieren und in Bezug auf die Lebensmittelqualität und -sicherheit von großer Bedeutung. Foto: Pixabay

Tierschutz (Tierwohl) und Tiergesundheit sind mit Blick auf die Haltung von Nutztieren und in Bezug auf die Lebensmittelqualität und -sicherheit von großer Bedeutung. Insbesondere bei Tieren im aquatischen Milieu sind die tierschutzgerechte Haltung und natürlich auch die Gesundheitsvorsorge maßgeblich am Produktionserfolg beteiligt.

Ein Erlass konkreter Anforderungen für Fische und andere aquatischen Nutztiere würde allerdings eine besondere Herausforderung darstellen, da die Vielfalt der Tierarten, der Haltungsformen und der Nutzungsarten/Verwendungszwecke eine Konkretisierung kaum zulässt. Fische und aquatische Wirbellose besitzen zudem als wechselwarme Wassertiere spezifische Ansprüche an die Haltung und Pflege, die sich in vielerlei Hinsicht von denen der landlebenden Tiere unterscheiden. Die Lebensvorgänge werden in hohem Maße von den umgebenden Umweltfaktoren beeinflusst.

Im Folgenden wird die Rechtslage zur Haltung von Fischen, Krebstiere und Weichtieren in Deutschland bzw. der EU im Hinblick auf den Tierschutz und die Tiergesundheit dargestellt und erörtert.

Tierschutz/Tierwohl bei der Haltung von Fischen und aquatischen Wirbellosen

Mit dem Tierschutzgesetz (TierSchG) erfolgt u. a. die Umsetzung der Richtlinie 98/58/EG vom 20. Juli 1998 über den Schutz landwirtschaftlicher Nutztiere in nationales Recht (insbes. § 2, § 11 (8) und § 16 TierSchG). Die vorgenannte Richtlinie gilt jedoch nicht für wirbellose Tiere. Sie umfasst außerdem lediglich allgemeine Anforderungen in Bezug auf Fische, die zu landwirtschaftlichen Zwecken gezüchtet oder gehalten werden.

§ 2 TierSchG („Haltungsnorm“)

Gemäß § 2 TierSchG:

  • muss, wer ein Tier hält, betreut oder zu betreuen hat, das Tier seiner Art und seinen Bedürfnissen entsprechend angemessen ernähren, pflegen und verhaltensgerecht unterbringen,
  • darf der Tierhalter die Möglichkeit des Tieres zu artgemäßer Bewegung nicht so einschränken, dass ihm Schmerzen oder vermeidbare Leiden oder Schäden zugefügt werden, und
  • muss der Tierhalter über die für eine angemessene Ernährung, Pflege und verhaltensgerechte Unterbringung des Tieres erforderlichen Kenntnisse und Fähigkeiten verfügen.

Diese Haltungsnorm, die nicht nur für Fische, sondern auch für aquatische Wirbellose gilt, umfasst lediglich allgemeine Anforderungen an die Haltung und an die Sachkunde.

Das nationale Tierschutzrecht enthält jedoch keine Spezialvorschrift mit konkreten Anforderungen an die Haltung von Fischen. Fische sind vom Geltungsbereich der Tierschutz-Nutztierhaltungsverordnung (TierSchNutztV), die Haltungsanforderungen u. a. für Schweine, Rinder und andere landwirtschaftliche Nutztiere umfasst, ausgenommen.

In Bezug auf die Haltung von Fischen und aquatischen Wirbellosen in Aquakultur muss grundsätzlich auf die „Gute fachliche Aquakulturpraxis“ hingewiesen werden. Eine entsprechende Handhabe bieten zahlreiche Lehrbücher, Merkblätter und/oder Leitfäden (siehe auch unter § 11 (8) TierSchG). Darüber hinaus sind die Empfehlungen des Europarats für die Haltung von Fischen in Aquakultur zu beachten.

§ 11 (8) TierSchG (Eigenkontrolle)

Mit Artikel 1 des dritten Gesetzes zur Änderung des Tierschutzgesetzes vom 04.07.2013 wurde § 11 TierSchG mit einem neuen Absatz (8) ergänzt. Demnach hat, wer Nutztiere zu Erwerbszwecken hält, durch betriebliche Eigenkontrollen sicherzustellen, dass die Anforderungen des § 2 (Haltungsnorm) eingehalten werden. Insbesondere hat der Tierhalter zum Zwecke seiner Beurteilung, dass die Anforderungen des § 2 erfüllt sind, geeignete tierbezogene Merkmale (Tierschutzindikatoren) zu erheben und zu bewerten. Mit dieser Vorschrift gibt es erstmals eine Verpflichtung zu tierschutzbezogenen betrieblichen Eigenkontrollen. Fische, die zur Lebensmittelgewinnung oder anderen landwirtschaftlichen Zwecken gehalten werden, gelten unter Verweis auf die Allgemeine Verwaltungsvorschrift zur Durchführung des Tierschutzgesetzes (AVV TierSchG) als Nutztiere im Sinne des § 11 (8) TierSchG. Dahingegen ist die Vorschrift weder auf Zierfische noch auf Krebs- oder Weichtiere, die in Aquakultur gehalten werden, anzuwenden. Mit der Vorschrift appelliert der Gesetzgeber an die Eigenverantwortung des Tierhalters zur Sicherstellung des Tierschutzes gemäß § 2 TierSchG. Allerdings enthält das TierSchG keine konkreten Anforderungen in Bezug auf die Durchführung der Eigenkontrollen. Letztendlich kann der Tierhalter selbst Tierschutzindikatoren festlegen, die er für seinen Tierbestand erheben und bewerten will. Kontroll- bzw. direkte Sanktionsvorschriften sind mit der Vorschrift (noch) nicht verbunden.

Der Verband Deutscher Fischereiverwaltungsbeamter und Fischereiwissenschaftler e. V. (VDFF) hat als Hilfestellung für Halter von Nutzfischen einen Leitfaden zur Durchführung der betrieblichen Eigenkontrollen erstellt. Aktuell befassen sich mehrere Forschungsprojekte mit der Beurteilung des Tierwohls gehaltener Fische anhand von Tierschutzindikatoren. Der neu gegründete Initiativkreis Tierschutzstandards in Aquakultur vereint Expertise aus Wirtschaft, Handel, Verbänden, Organisationen Verwaltung und Wissenschaft mit dem Ziel der Erarbeitung entsprechender Standards.

§ 3 TierSchG (Verbotsbestimmungen)

§ 3 TierSchG führt zahlreiche Verbotsbestimmungen in Verbindung mit der Haltung und dem Umgang mit Tieren auf, z. B.

  • darf ein im Betrieb gehaltenes Tier nicht ausgesetzt oder zurückgelassen werden, um sich seiner zu entledigen oder sich der Halter- oder Betreuerpflicht zu entziehen;
  • darf ein gezüchtetes oder aufgezogenes Tier einer wildlebenden Art nicht in der freien Natur ausgesetzt oder angesiedelt werden, wenn es nicht auf die zum Überleben in dem vorgesehenen Lebensraum erforderliche artgemäße Nahrungsaufnahme vorbereitet und an das Klima angepasst ist;
  • darf einem Tier kein Futter dargereicht werden, das dem Tier erhebliche Schmerzen, Leiden oder Schäden bereitet.

§ 11 (1) TierSchG (Erlaubniserteilung)

Gemäß § 11 Abs. 1 Nr. 8 Buchst. a bedarf, wer gewerbsmäßig Wirbeltiere, außer landwirtschaftliche Nutztiere und Gehegewild, züchten oder halten will, der Erlaubnis der zuständigen Behörde. Als landwirtschaftliche Nutztiere gelten gemäß AVV TierSchG zur Schlachtung oder zum Besatz bestimmte Fische und deren Elterntiere sowie deren Farbmutanten, soweit diese in Betrieben der Teichwirtschaft und Fischzucht gehalten werden. Anders als für Zierfische bedarf es daher für die Haltung von Nutzfischen in Aquakultur grundsätzlich keiner Erlaubnis der zuständigen Behörde gemäß § 11 (1) TierSchG. Die per Gesetz (§ 2 TierSchG) geforderten Kenntnisse und Fähigkeiten müssen daher vor Aufnahme der Tätigkeit der Behörde gegenüber nicht zwangsläufig nachgewiesen werden.

Werden jedoch Nutzfische zu anderen Zwecken als Lebensmittelgewinnung o. Ä. gehalten, wie z. B. Zurschaustellung (§ 11 (1) Nr. 8 Buchst. d TierSchG), oder wird mit lebenden Nutzfischen gehandelt (§ 11 (1) Nr. 8 Buchst. b TierSchG), bedarf es einer Erlaubnis der zuständigen Behörde. Dafür sind geeignete Räumlichkeiten, die Zuverlässigkeit und die Sachkunde der verantwortlichen Person nachzuweisen.

§ 16, § 16a, § 17, § 18 TierSchG (sonstige Vorschriften)

Gemäß § 16 (1) TierSchG unterliegen u. a. Nutztierhaltungen, Einrichtungen, in denen Tiere geschlachtet werden, und Einrichtungen und Betriebe, die gewerbsmäßig Tiere transportieren, der Aufsicht durch die zuständige Behörde. Demnach werden Aquakulturbetriebe, in denen Fische, Krebstiere oder Weichtiere zur Lebensmittelgewinnung oder zu ähnlichen Zwecken gehalten werden, routinemäßig überwacht. Kontrollfrequenzen sind jedoch nicht vorgegeben. Im Rahmen etwaiger Kontrollen gibt es weitgehende Befugnisse für die zuständige Behörde (§ 16 (2) TierSchG). Die Auskunftspflicht des Tierhalters ist zu beachten.

Nach § 16a (1) TierSchG kann die zuständige Behörde die zur Beseitigung festgestellter Verstöße und die zur Verhütung künftiger Verstöße notwendigen Anordnungen treffen. Somit können Verstöße, z. B. gegen die Haltungsnorm, soweit diese nicht als Straftatbestand oder als Ordnungswidrigkeit gelten, indirekt geahndet werden.

In den §§ 17 und 18 TierSchG werden Straftatbestände und Ordnungswidrigkeiten aufgeführt.

 

Tiergesundheit bei der Haltung von Fischen und aquatischen Wirbellosen

Die Fischseuchenverordnung (FischSeuchV) regelt u. a. die Bekämpfung von Fischseuchen und setzte die Richtlinie 2006/88/EG in nationales Recht um. Seit Geltungsbeginn der Verordnung (EU) 2016/429 (Animal Health Law – AHL) wurde die Richtlinie 2006/88/EG außer Kraft gesetzt. Aufgrund tiefgreifender Änderungen in Bezug auf Definitionen und Vorgehensweisen, ist die FischSeuchV nur eingeschränkt anwendbar, und zwar immer nur dann, wenn der Wortlaut den Vorgaben im AHL nicht entgegensteht. Eine Anpassung an das aktuell geltende EU-Recht ist bislang noch nicht erfolgt (Stand: Oktober 2023).

Alle gelisteten Tierseuchen sind in Anhang II der Verordnung (EU) 2016/429 (AHL) aufgeführt (zuletzt geändert durch die Delegierte Verordnung (EU) 2018/1629). Empfängliche Arten sowie Überträgerarten sind in der Durchführungsverordnung (EU) 2018/1882 aufgeführt (Stand Oktober 2023: zuletzt geändert durch die Durchführungsverordnung (EU) 2022/925).

Gelistete Tierseuchen sind in 5 Kategorien (A-E) eingeteilt. Für Wassertiere sind die folgenden Kategorien relevant:

Seuche der Kategorie A: eine Seuche, die unmittelbar getilgt werden muss;

Seuche der Kategorie C: eine Seuche, für die eine Tilgung erfolgen kann;

Seuche der Kategorie D: eine Seuche, für die im Zusammenhang mit dem Eingang in die Union Maßnahmen ergriffen werden müssen;

Seuche der Kategorie E: eine Seuche, die überwacht werden muss.

Seuchen der Kategorie A, B und C gelten automatisch auch als Seuche der Kategorie D und E.

Gelistete Fischseuchen:

  1. EHN - Epizootische Hämatopoetische Nekrose (Kategorie A
  2. VHS - Virale Hämorrhagische Septikämie (Kategorie C)
  3. IHN - Infektiöse Hämatopoetische Nekrose (Kategorie C)
  4. ISA HPRdel - Infektion mit dem HPR-deletierten Virus der Ansteckenden Blutarmut der Lachse (Kategorie C)
  5. KHV-I - Koi-Herpesvirus-Infektion der Karpfen (Kategorie E)

Gelistete Krebstierseuchen:

  1. Infektion mit dem Taura-Syndrom-Virus (Kategorie A)
  2. Infektion mit dem Virus der Gelbkopf-Krankheit (Kategorie A)
  3. WSD - Infektion mit dem Virus der Weißpünktchenkrankheit (Kategorie C)

Gelistete Weichtierseuchen:

  1. Infektion mit Perkinsus marinus (Kategorie A)
  2. Infektion mit Microcytus mackini (Kategorie A)
  3. Infektion mit Bonamia exitiosa (Kategorie C)
  4. Infektion mit Bonamia ostreae (Kategorie C)
  5. Infektion mit Marteilia refringens (Kategorie C)

VHS

KHV-I

Zulassung und Registrierung von Aquakulturbetrieben (Art. 172 und 176 AHL)

Gemäß der Verordnung (EU) 2016/429 (EU-Tiergesundheitsrechtsakt - Animal Health Law / AHL) müssen Aquakulturbetriebe entweder registriert (Artikel 172 AHL) oder zugelassen (Artikel 176 - 180) werden. Wenn Aquakulturbetriebe oder Gruppen von Aquakulturbetrieben Wassertiere zu dem Zweck halten, um diese entweder lebend oder in Form von Erzeugnissen aus Aquakulturtieren zu verbringen, bedürfen sie der Zulassung. Vorgenanntes trifft nicht zu, wenn sie von einem Ausnahmetatbestand gemäß Art. 176 Abs. 2 betroffen sind. Diese Betriebe bedürfen der Registrierung.

Eine Ausnahme von der Zulassungspflicht kann demnach für Aquakulturbetriebe mit Produktion einer kleinen Menge an Tieren aus Aquakultur zur Abgabe für den menschlichen Verzehr, für Teiche und andere Einrichtungen, in denen der Bestand an Wassertieren nur für die Freizeitfischerei aufrechterhalten wird (Angelteiche) und für Aquakulturbetriebe, die Tiere aus Aquakultur zu Zierzwecken in geschlossenen Systemen halten. Für alle diese gilt, dass diese Betriebe kein erhebliches Risiko darstellen dürfen.

Ob für Ihren Betrieb eine Zulassung oder Registrierung erforderlich ist oder es weder einer Zulassung noch Registrierung bedarf, geht aus dem "Entscheidungsbaum" des LAVES hervor.

Tiergesundheitsbesuche und Amtliche Kontrollen

Betreiber von Aquakulturbetrieben sind verpflichtet sog. „Eigenkontrollen“ zu veranlassen, diese werden von Tierärzten oder von Angehörigen der mit der Gesundheit von Wassertieren befassten Berufe („Qualifizierte Dienste“) durchgeführt.

Die amtlichen Kontrollen sind grundsätzlich von den risikobasierten Gesundheitsbesuchen („Eigenkontrollen“) zu trennen.

Die Mindesthäufigkeit der Gesundheitsbesuche und amtlichen Kontrollen wird jeweils wie folgt angesetzt:

a)         in Aquakulturbetrieben mit hohem Risiko mindestens einmal jährlich;

b)         in Aquakulturbetrieben mit mittlerem Risiko mindestens einmal alle zwei Jahre;

c)         in Aquakulturbetrieben mit geringem Risiko mindestens einmal alle drei Jahre.

Die Einstufung des Risikoniveaus erfolgt im Zulassungsverfahren durch die zuständige Veterinärbehörde.

Probenahmen in Bezug auf Seuchen der Kategorie C müssen nur dann durchgeführt werden, wenn der Aquakulturbetrieb einen Gesundheitsstatus (s.u.) hat (Seuchenfreiheit, Tilgungsprogramm, freiwilliges Überwachungsprogramm).

Außerplanmäßige Untersuchungen

Wird bei Wassertieren aus Aquakultur eine erhöhte Sterblichkeitsrate festgestellt, die nicht eindeutig auf Haltungsbedingungen oder Transportbedingungen zurückgeführt werden kann, hat der Unternehmer dies gemäß Art. 18 AHL einem Tierarzt unverzüglich mitzuteilen. Dieser entscheidet, ob eine Untersuchung und ggf. Probenahme für Laboruntersuchung notwendig ist und leitet ggf. eine Behandlung ein.

Im Falle des Verdachtes auf eine gelistete Fischseuche, meldet der Tierarzt dies unverzüglich (Wassertierseuchen der Kategorie A) bzw. so bald wie möglich (Wassertierseuchen der Kategorien C und E) der zuständigen Behörde.

Aufzeichnungspflichten

Gemäß Art. 186 AHL sind Betreiber von zulassungs- und registrierungspflichtigen Aquakulturanlagen sind verpflichtet, Aufzeichnungen zu führen. Diese Aufzeichnungen, die elektronisch, aber auch in Form eines Loseblattdurchschreibesystems geführt werden können, sind mindestens drei Jahre aufzubewahren, auf Verlangen der zuständigen Behörde vorzulegen und dürfen nur mit Genehmigung der zuständigen Behörde aus dem Betrieb entfernt werden.

Schutzgebiet – Erlangung der Seuchenfreiheit (DelV (EU) 2020/689)

Zur Erlangung dieses Status bedarf es in der Regel der Durchführung eines Tilgungsprogrammes gemäß Delegierter Verordnung (EU) 2020/689. Dieses Tilgungsprogramm wird vom Tierhalter beantragt und von der jeweiligen zuständigen Behörde werden die Rahmenbedingungen festgelegt. Die Laufzeit beträgt entweder zwei oder vier Jahre, je nach Probenahmeumfang. Die aktuelle Bekanntmachung der als seuchenfrei erklärten Aquakulturbetriebe (Kompartimente) oder Zonen kann im TierSeuchenInformationsSystem unter Service (Dokumente des BMEL, Ref. 322) heruntergeladen werden. Eine Meldung der Betriebe im Tilgungsprogramm und der Schutzzonen erfolgt auch an die EU-Kommission.

Verbringung von Wassertieren (Art. 191 - 218 AHL und weitere Tertiärrechtsakte)

Generell ist hierbei die Art der Verbringung (innerstaatlich (DE), innergemeinschaftlich (EU) oder aus Drittländern (weltweit)) ausschlaggebend für die Bedingungen der Verbringung.

Fische aus Aquakultur, die innerstaatlich oder innergemeinschaftlich zum Zwecke der Zucht, Haltung und Hälterung, des Besatzes oder der weiteren Verarbeitung für den menschlichen Verzehr in seuchenfreie Betriebe oder in Betriebe, für die ein Überwachungs- oder Tilgungsprogramm besteht, verbracht werden, müssen von einer Veterinärbescheinigung (innerstaatlich z.B. der Anlagenpass gemäß Anlage 2 FischSeuchV) begleitet sein. Werden Fische aus Aquakultur in Betriebe verbracht, die nicht amtlich als seuchenfrei erklärt wurden, ist eine Eigenerklärung vorgeschrieben.

Im Gegensatz zum innerstaatlichen Verbringen hat beim innergemeinschaftlichen Verbringen von Fischen zur weiteren Haltung oder zu Besatzzwecken immer eine Mitteilung in TRACES (Trade Control and Expert System) durch die zuständige Behörde zu erfolgen. Aus diesem Grund ist in diesen Fällen die Behörde von dem Absender zu informieren.

Unabhängig davon, ob die Wassertiere für seuchenfreie oder nicht-seuchenfreie Betriebe bestimmt sind, ist bei der Einfuhr von Fischen aus Drittländern immer eine Tiergesundheitsbescheinigung mitzuführen. Für diese Sendungen gibt es eine Grenzkontrollpflicht. Wassertiere dürfen nur auch Drittländern eingeführt werden, die in der sog. „Drittlandliste“, der Durchführungsverordnung (EU) 2021/404 gelistet sind. Die Vorschriften für den Eingang von Sendungen von bestimmten Tieren, bestimmtem Zuchtmaterial und bestimmten Erzeugnissen tierischen Ursprungs in die Union und für deren anschließende Verbringung und Handhabung ist in der Delegierten Verordnung (EU) 2020/692 geregelt.

Für den Eingang von Wassertieren zum menschlichen Verzehr in die Europäische Union gelten z.T. andere Vorschriften. Welche Bescheinigungen im Einzelfall notwendig ist, kann der Durchführungsverordnung (EU) 2021/404 entnommen werden. Mustervorlagen sind in den Durchführungsverordnungen (EU) 2020/2235 und 2020/2236 enthalten.

Grundsätzlich dürfen nur Fische für die weitere Haltung oder den Besatz in Verkehr gebracht werden, die klinisch gesund sind. Fische, die aus einem Aquakulturbetrieb, in dem eine ungeklärte erhöhte Sterblichkeit besteht, oder aus einer Hälterung eines nicht genehmigten Verarbeitungsbetriebes stammen, dürfen nicht in den Verkehr gebracht werden.

Fische zu Zierzwecken dürfen nur in Verkehr gebracht werden, wenn sie andere Fische im Hinblick auf Seuchen nicht gefährden.

Die Deklaration der Sendungen erfolgt gemäß Definition in Art. 4 AHL als „Wassertiere“ und dies gilt für alle Entwicklungsstadien, einschließlich Eiern, Sperma und Gameten der Knochenfische (Fleisch- und Strahlenflosser), Knorpelfische, Neunaugen und Schleimaale sowie wasserbewohnender Weichtiere und wasserbewohnender Krebstiere. Eine Verbringung von z.B. Forelleneiern im Augenpunktstadium als „Zuchtmaterial“ ist somit nicht zulässig. Auch hier erfolgt eine Deklaration als „Wassertiere“.

Transport (Art. 172 – 190 AHL)

Auch beim Transport von Wassertieren müssen Maßnahmen getroffen werden, um eine Seuchenverschleppung zu vermeiden.

Die Delegierte Verordnung (EU) 2020/990 enthält allgemeine Anforderungen an Unternehmer bei der Beförderung von Wassertieren (Art. 3 - 5), insbesondere für Biosicherheitsmaßnahmen, Wasserwechsel während des Transports und hinsichtlich der spezifischen Beförderungs- und Kennzeichnungsanforderungen an Transportmittel und Transportbehälter / Container, in denen Wassertiere befördert werden.

Hierbei dürfen der Transport selbst oder nötige Wasserwechsel während des Transportes den Gesundheitsstaus der Tiere nicht gefährden oder ändern. Die Durchführung einer Reinigung und Desinfektion von Transportbehältnissen muss sichergestellt und von der zuständigen Behörde des Herkunftsortes genehmigt sein. Es muss sichergestellt werden, dass notwendige Deklarationen und Bescheinigungen (z.B. Veterinärbescheinigung) vorliegen.

Weiterführende Vorgaben zu den von Transportunternehmern zu führenden Aufzeichnungen sind in der Delegierten Verordnung (EU) 2020/691 enthalten.

Wassertiere gelisteter Arten sowie das Wasser, in dem sie transportiert werden, sind gemäß Art. 174 in Verbindung mit Art. 5 der Delegierten Verordnung (EU) 2020/692 nach dem Eingang in die Union angemessen zu handhaben, um sicherzustellen, dass von ihnen kein Seuchenrisiko ausgeht. Es ist zu gewährleisten, dass die Tiere auf direktem Weg zum Bestimmungsort transportiert werden und nicht in natürliche Gewässer der Union freigesetzt (ausgesetzt) oder anderweitig eingesetzt werden, wo sie ein potenzielles Seuchenrisiko darstellen könnten. Weiterführende Informationen zum Transport von Wassertieren finden Sie im Artikel Lebendfischtransport.

Besondere Schutzmaßnahmen (Art. 9 AHL)

Im Falle des Ausbruchs oder des Verdachts des Ausbruchs eines Seuchengeschehens in einem Aquakulturbetrieb werden Maßnahmen von der zuständigen Behörde zur Verhinderung der Seuchenverschleppung getroffen.

Eine Betriebssperre mit Einrichtung einer Sperrzone und eins Überwachungsgebietes ist bei Ausbrüchen von Wassertierseuchen der Kategorie A grundsätzlich notwendig. Alle Maßnahmen sind in der Delegierten Verordnung (EU) 2020/687 festgelegt. Bei Ausbrüchen von Wassertierseuchen der Kategorie C kommt eine Betriebssperre nur dann in Frage, wenn sich der Ausbruch in „Schutzzonen“, also als seuchenfrei anerkannten Zonen oder Kompartimenten ereignet (Delegierte Verordnung (EU) 2020/689).

Aus dem infizierten Betrieb dürfen dann keine lebenden Fische zu Zucht- oder Besatzzwecken abgegeben werden ("Sperre").

Im Falle von Ausbrüchen einer Wassertierseuchen der Kategorie C in anderen Betrieben kommen Biosicherheitsmaßnahmen und Verbringungsbeschränkungen zum Tragen, die auch behördlich angeordnet werden können.

Ferner erfolgen epidemiologische Nachforschungen, um festzustellen, woher die Seuche eingeschleppt oder wohin die Seuche weiterverschleppt worden sein kann. In dem Zusammenhang ist eine adäquate Buchführung von großer Bedeutung.

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