Gemeine Miemuschel

Mytilus edulis
Miesmuscheln zählen zu den ersten von Menschenhand kultivierten Meeresorganismen. Die Gemeine (auch Blaue) Miesmuschel (Mytilus edulis) gehört in Deutschland zu den wichtigsten Arten in der Aquakultur.

Miesmuscheln werden schon seit über 8000 Jahren in Europa und Nordamerika verzehrt. Foto: Pixabay

Miesmuscheln werden schon seit über 8000 Jahren in Europa und Nordamerika verzehrt. Dies belegen zahlreiche archäologische Funde aus Abfallgruben damaliger Siedlungen. Muscheln wurden und werden aber nicht nur gegessen, sondern auch als Schmuck, Fischköder, Kalklieferanten und Dünger verwendet. Die vielfältige Verwendung und die vergleichsweise einfache Aufzucht haben wohl maßgeblich dazu beigetragen, dass Miesmuscheln zu den ersten von Menschenhand kultivierten Meeresorganismen zählten. Bereits seit dem 13 Jahrhundert wurden Miesmuscheln im Südwesten von Frankreich an sogenannten Bouchots kultiviert. Der Legende nach geht diese Form der Aufzucht auf einen irischen Schiffsbrüchigen, Patrick Walton, zurück. Dieser wurde im Jahre 1235 an der Küste von Charente angespült. Um zu überleben, brachte er Netze während der Ebbe im Flachwasserbereich aus, die er an langen Holzstangen fixierte, um möglichst bequem Fische zu fangen. Nach einiger Zeit wurde ihm klar, dass sich an den Holzstangen große Mengen von Muscheln festgesetzt hatten. Damit war der Legend nach die Idee geboren, siedelnde Muschelbrut auf langen Reihen von Holzpfählen zu kultivieren. Diese Technik der Bouchot-Kultur verbreitete sich besonders in Frankreich sehr schnell (Becken von Arcachon). In Zeeland (Niederlande) konnten Muscheln bei Ebbe aufgesammelt werden. Die ursprünglichen Fanggebiete wurden bereits 1825 in Parzellen aufgeteilt und werden seit 1870 verpachtet. Heutzutage wird die Saatmuschel (ca. 1 cm) gefischt, ausgesät und mit ca. 3 cm auf andere Parzellen verbracht, in denen das Nahrungsangebot optimal ist. Miesmuscheln sind nicht nur leicht zu kultivieren, ihr schmackhaftes Fleisch ist darüber hinaus besonders reich an Vitaminen (Vit. A, B-Gruppe, C und E) und Mineralstoffen (u. a. Calcium, Magnesium, Phosphat, Eisen und Fluorid). Es enthält weniger als 2 % Fett, wobei sich die Hälfte dieser Fette aus den ernährungsphysiologisch so wichtigen (essentiellen) ungesättigten und mehrfach ungesättigten Fettsäuren (PUFA, von engl. polyunsaturated fatty acids) zusammensetzt.

Short profile

Hauptproduktionsländer
Größe
4 – 5 cm, bis 10 cm
Herkunft
Nord-Atlantik, Nord- und Ostsee
Nahrung
Filtrierer
Jahresproduktion
168.902 t (2019, FAO)
Biologie

Alle Arten der Miesmuschel (Gemeine Miesmuschel Mytilus edulis, Mittelmeer-Miesmuschel Mytilus galloprovincialis, Kalifornische Miesmuschel Mytilus californianus, Koreanische Miesmuschel Mytilus coruscus und Pazifische Miesmuschel Mytilus trossulus) sind von zwei Schalenhälften umschlossen und gehören deshalb, wie der Name schon sagt, zu den Bivalviern (Zweiklappentieren = Muscheln).

Die Gemeine (auch Blaue) Miesmuschel Mytilus edulis toleriert Wassertemperaturen unterhalb des Gefrierpunkts bis 30 °C, vollständiges Trockenfallen während der Ebbe und Salzgehalte von 5 (Brackwasser) bis 35 ppt (euryhaliner Organismus). Kurzfristig überlebt sie sogar in sauerstofffreier Atmosphäre. Durch ihre ausgesprochene Robustheit ist die Miesmuschel den litoralen und sub-litoralen Küstenbereichen und Flussmündungen des Atlantiks - vom nördlichen Eismeer bis Portugal und Carolina im Süden verbreitet. Sie kommt auch im Pazifik südlich bis Mexico und Japan und in der Nord- und Ostsee und dem Mittelmeer. Im Mittelmeer überschneiden sich die Vorkommen der Gemeinen Miesmuschel Mytilus edulis und der Mittelmeer Miesmuschel Mytilus galloprovincialis. Durch populationsgenetische Untersuchungen wurde in jüngster Zeit aufgedeckt, dass im nördlichen Verbreitungsgebiet häufig ein Artenkomplex aus M. edulis, M. galloprovincialis und M. trossulus zu finden ist, wobei Hybride der Ausgangsarten vorkommen. Da die Unterscheidung der Arten im Hybridiesierungsbereich nicht immer eindeutig, bzw. nicht möglich ist, spricht man deshalb vom Mytiluskomplex.

Als Filtrierer ernährt sich die Miesmuschel vornehmlich von Phytoplankton und Detritus. Die Nahrungspartikel werden zusammen mit dem einströmenden, sauerstoffreichen Wasser über die Kiemen geleitet, wo sie haften bleiben und mittels feiner Wimpern zur Mundöffnung transportiert werden. Sie gedeiht also entsprechend in nährstoffreichen besser als in nährstoffarmen Habitaten. Unter idealen Voraussetzungen, z. B. in Flussmündungen, bilden Miesmuscheln sogenannte Muschelbänke aus, die eine Schichtdicke von mehr als 2 m erreichen können. Durch die Ausbildung von speziellen Haftfäden, den Byssusfäden, verankern sich die Muschel fest mit dem Untergrund oder aber auch an benachbarten Muscheln. Die Byssusfäden werden in einer Drüse im Fußbereich der Muschel aus körpereigenen Eiweißen und Eisen gebildet. Sobald das Material mit dem Umgebungswasser in Kontakt kommt härtet es aus und stellt so den dauerhaften Kontakt zwischen Muschel und dem Untergrund her. Der Byssusfaden selbst besteht aus einem proximalem (körpernah) und einem distalem (körperfern) Teil, welche unterschiedliche Reißfestigkeiten haben. Dieser Unterschied ermöglicht eine Art Fortbewegung: Mit bestimmten Muskeln werden gezielt einzelne Byssusfäden zerrissen, gleichzeitig zieht sich die Muschel so dem Ziel entgegen.

Die Ausbildung der Muschelbänke an Standorten mit idealem Nahrungsangebot sichert die Fortpflanzung der getrenntgeschlechtlichen Muscheln. Mit steigenden Wassertemperaturen im Frühjahr vollenden die Tiere (min. 1 Jahr) die Reifung der Eier und Spermien, die bereits bei sinkenden Wassertemperaturen im Herbst ihren Anfang nimmt (Gametogenese). Zuerst geben die männlichen Tiere ihre Spermien synchronisiert (Massenablaichen) ins Wasser ab, was die Weibchen stimuliert ihrerseits Eier ins Wasser auszustoßen (bis zu 40 Millionen Eier pro Tier), die dann von den Spermien befruchtet werden (äußere Befruchtung). In besonders produktiven Gewässern können die Muscheln mehrere Male pro Jahr laichen. Die Entwicklung des befruchteten Eis bis zur juvenilen Muschel ist primär von der Wassertemperatur abhängig und dauert zwischen 12 und 40 Tage. Dabei werden verschiedene Stadien durchlaufen:

Lebensstadien

Sowohl Pediveliger-Larven als auch juvenile Muscheln sind in der Lage ihren Standort mehrfach zu wechseln. Verankern sie sich zunächst (Larvenfall) noch relativ ungezielt an Seegras oder anderen Strukturen, können sie sich von diesen wieder ablösen und sich mit der Strömung so lange treiben lassen, bis sie einen geeigneten Platz gefunden haben. Hat sich die Miesmuschel dann an geeigneter Stelle festgesetzt, kann sie innerhalb von 1 bis 1 ½ Jahre auf eine Größe von 4 – 5 cm heranwachsen. Mit zunehmendem Alter (bis 24 Jahren) nimmt dann die Wachstumsgeschwindigkeit ab, wobei Schalenlängen von ca. 10 cm erreicht werden.

Aquakultur

Für die Zucht werden zunächst Muschellarven auf geeigneten Substraten (Seil und Netzmaterial) in Küstenbereichen mit einer hohen Larvendichte gesammelt (Larvenfall). Der geeignete Zeitpunkt wird durch die Untersuchung des Planktons bei Auftreten der Muschellarven bestimmt. Die gezielte Reproduktion geschlechtsreifer Muscheln ist seit den 1970er Jahren möglich, wird aber vornehmlich außerhalb Europas eingesetzt, da hier häufig die natürliche Larvenproduktion den Bedarf nicht decken kann. Die gezielte Reproduktion bietet überdies den Vorteil, die natürlichen Variationen der jährlichen Larvendichte zu umgehen und weiterhin für die Gegebenheiten besonders geeignete Zuchtlinien zu verwenden.

Zur gezielten Fortpflanzung werden Tiere verwendet, die vorher durch speziell angepasstes Algenfutter (z. B. Cyclotella nana, Chaetoceras calcitrans, Monochrysis lutheri, Phaeodactylum, Platymonas, Pyramimonas, Chlamydomonas, Dunaliella und Chlorella) konditioniert wurden. Die Abgabe der Geschlechtsprodukte wird dann üblicherweise durch einen Temperaturschock induziert. Zu Forschungszwecken wird darüber hinaus eine Methode angewendet, die als stripping oder strip-spawning (engl., Streifen oder Abstreifen) bezeichnet wird. Dabei werden die Geschlechtsprodukte (vornehmlich das Sperma männlicher Tiere) gewonnen, indem diese aus dem Mantel der Muscheln herauspräpariert, abgesaugt oder mit einem Wasserstrahl ausgespült werden.

Reproduktionszyklus

Die Aufzucht der Miesmuscheln erfolgt nach der Besiedlung der Substrate entweder bodennah (on-bottom) oder bodenfern in der umgebenden Wassersäule (off-bottom). Beiden Aufzuchtmethoden ist gemein, dass keine zusätzliche Fütterung der Muscheln stattfindet, da sich die Tiere selbsttätig mit Phytoplankton bzw. verwertbarem Futter aus dem Wasser versorgen (extensive Produktion).

On-bottom Kultur

Als extensive Bewirtschaftungsform ist die on-bottom Kultur eine sehr einfache Art, Miesmuscheln zu produzieren. Besiedelte Muschelsubstrate wie z. B. Netz- und Seilmaterial oder Teile von Muschelbänken (Ernte mittels Dredge) werden an geeigneter Stelle verankert oder einfach nur ausgebracht. Die Muscheln werden also in einem geeigneten Habitat ausgebracht. Hohe Investitionskosten für Verankerungsstrukturen sind nicht nötig, die Saat ist v. a. vor muschelfressenden Vögeln aufgrund der Wassertiefe gut geschützt. Die Siedlungsdichte wird dem örtlichen Nahrungsangebot angepasst.

Bis zur Ernte nach 2 – 3 Jahren müssen die Muscheln regelmäßig von Fraßfeinden (z. B. Seesternen) und Makroalgen befreit werden. Mit dieser Methode lassen sich in produktiven Meeresabschnitten bis 70 Tonnen Muscheln pro ha und Jahr erwirtschaften. Die Bouchots-Methode ist eine besondere Form der on-bottom Kultur, die vornehmlich in Frankreich (Becken von Acachon, Bretagne) praktiziert wird:

Als Substrat zur Besiedlung dienen hier meist mit Seilen umflochtene Holzpfähle (Durchmesser von 15 bis 25 cm). Diese werden in langen Reihen (bis zu 120 in einer Reihe) so in den Boden gerammt, dass sie 2 – 3 m aus dem Seegrund herausragen. Nach dem Larvenfall werden diese Kollektoren gegebenenfalls noch an einen anderen Ort zur Aufzucht verbracht. Teilweise werden die Bouchots auch mit schlauchartigen Netzen umschlungen. So kann pro Pfahl ein größeres Produktionsvolumen bis 60 kg pro Larvenfall erreicht werden. Geerntet werden die Muscheln, je nach Nährstoffvorkommen und Wassertemperatur im Aufzuchtgebiet, nach 2 bis 3 Jahren.

Off-bottom Kultur

Die off-bottom Kultur hat den Vorteil, dass sie auch in tieferen Meeresgebieten möglich ist und eine sehr viel größere Bewirtschaftungsintensität ermöglicht. Da sie viel standortunabhängiger ist, können Konflikte mit anderen Nutzern wie bspw. dem Tourismus vermieden werden. Grundlage der off-bottom Kultur ist die Aufzucht der Muscheln auf Seil- und Netzmaterial. Diese können entweder direkt senkrecht im Wasser hängen oder zwischen verschiedenen Auftriebskörpern, wie Bojen oder Flössen, waagerecht verspannt werden. Spezielle Systeme kommen da zum Einsatz, wo die Witterungsbedingungen besonders rau sind. In den kanadischen Küstengewässern werden die Leinen bspw. soweit unter der Wasseroberfläche ausgebracht, dass die Muscheln vor Eis geschützt sind. Je nach System und Umgebungsbedingungen können pro Jahr 20 Tonnen pro ha geerntet werden.
In der marinen Aquakultur gibt es jüngst Bestrebungen Muscheln in Polykulturen mit Fischen zu kultivieren, um das durch die Fische nicht gefressene Futter durch die Muscheln zu verwerten und so zum einen die Belastung für die Umwelt zu minimieren und zum anderen die Wertschöpfung zu erhöhen (engl. Integrated Multitrophic Aquaculture, integrierte Multitrophe Aquakulturen, IMTA) .

Produktangebot

Miesmuscheln sind sowohl als Roh-, Tiefkühl- oder Konservenware erhältlich.

Frischware

Im europäischen Raum sind Miesmuscheln nur zu bestimmten Jahreszeiten als Frisch- bzw. Rohware erhältlich. Diese jahreszeitliche Dynamik hängt zum einen mit dem Auftreten bestimmter Algenarten (Algenblüten bestimmter Arten) und über die Algennahrung in die Muschel gelangenden Toxine während der wärmeren Monate zusammen: Die alte Regel, dass Muscheln nur in Monaten mit einem „r" verzehrt werden sollten (Wintermonate ohne Algenblüte), gilt nur, wenn man selbst Muscheln im Watt sammelt, da die Lebenmittelüberwachung sehr engmaschig erfolgt und das Auftreten entsprechender Toxine ausschließt. Seit der gesetzlichen Einführung geschlossener Kühlketten ist der Verderb von Frischware nahezu ausgeschlossen. Überdies werden Miesmuscheln häufig schon portionsweise (1 – 1,5 kg) unter Schutzgas (Sauerstoff und Kohlendioxid) verpackt. Das Gas versetzt die Muscheln in einen Ruhe-, bzw. Betäubungszustand und verlängert so die möglichen Transport- und Lagerzeiten. Zur Beurteilung des Frischezustandes ist es nötig, die Tiere nach Öffnen der Verpackung für einige Zeit (1 – 2 Stunden) in kaltem Frischwasser zu lagern. Dies hat überdies den Vorteil, dass noch in den Muscheln verbliebene Verunreinigungen (Sand) abgegeben bzw. ausgespült werden. Nach dem Wässern lässt sich der Frischezustand der Tiere genau bestimmen. Dieser korreliert direkt mit der Kontraktionsfähigkeit des Schließmuskels auf mechanische Reize (z. B. Klopfen). Bei einer leicht geöffneten, intakten, frischen Muschel zieht sich der Schließmuskel nach leichtem Schlagen auf die Schale zusammen. Die Muschel schließt sich und ist demnach lebend und zum Verzehr geeignet.

Tiefkühlware

Die Variation an angebotenen Waren ist ausgesprochen vielfältig. Sie reicht von gekochten Tieren bis zu aufwendigen Convenience-Produkten.

Konserven

Muscheln und Muschelgerichte sind als Halbkonserven (begrenzte Haltbarkeit, kühl zu lagern) oder als Vollkonserven (lange Haltbarkeit durch Sterilisierung, ohne Kühlung lagerfähig) erhältlich.

Zertifizierung

Wie auch andere Produkte aus der Aquakultur, so werden auch Miesmuscheln nach verschiedenen Standards produziert. Es sind u. a. Muschelprodukte verfügbar, die nach dem GLOBALG.A.P. Nicht-Bio-Standard produziert wurden, genauso wie Produkte mit Bio-Siegel (Naturland, EU-Bio-Siegel).

Nachgehakt

Welchen Einfluss hat die Muschelernte mit Schleppnetzen (Dredge) auf die Biodiversität?

Bootsdredgen für die Muschelernte sind große Metallrahmen, die mit Metallfingern variabler Größe ausgestattet sind. Am Rahmen selbst ist ein Metallkorb oder ein Netz als Auffangbehälter befestigt. Die z. T. mehrere hundert Kilo schweren Dredgen werden stets von einem Boot über den Meeresgrund gezogen und tragen, bzw. graben so den Meeresboden um. Dabei bleiben die Muscheln im Auffangbehälter und können an Bord geholt werden. Bei dieser Art der Saatkollektion und Ernte wird der Meeresboden natürlich zunächst stark beeinflusst. In dem befischten Bereich sinkt entsprechend zunächst die Artenvielfalt (Diversität). Besonders stark sind hier die in Muschelbänken häufig vorkommenden Ringelwürmer (Polychaeten) betroffen. Da Miesmuscheln aber häufig auf weichen Böden kultiviert werden, die überdies häufig einem starken Tidenhub ausgesetzt sind, sind die durch die Ernte entstehenden Schäden meist nur kurzzeitig. Dies hängt damit zusammen, dass bei der Ernte in einem von Trübung und Sediment geprägten Lebensraum nur wenige Zentimeter des Sediments aufgewühlt werden; es kommt zu keiner nachhaltigen Beeinträchtigung des Lebensraumes.

Die on-bottom Kultur selbst hat sogar positive Nebeneffekte auf die Umwelt. Durch eine Muschelbank entsteht in dem zumeist strukturarmen Gebiet Hartsubstrate (Muschelschalen), die es bestimmten Organismengruppen ermöglichen sich anzusiedelnd. Neben Krebsen und Polychaeten (z. B. der Gemeine Schuppenwurm Harmothoe imbricata oder der Kiemenringelwurm Scoloplos armiger), zählen hierzu weitere Muschelarten (z. B. die zu den Korbmuscheln zählende Corbula gibba), Nesseltiere (Cnidaria) und Moostierchen (Bryozoa). Ferner stellen die Muscheln eine wichtige Nahrungsgrundlage für geschützte Vogelarten z. B. die Brandgans (Tadorna tadorna), die Eiderente (Somateria mollissima) oder die Trauerente (Melanitta nigra) dar.

Enten
Durch die Filtrationsleistung der Muscheln (bis zu 2 Liter Wasser pro Stunde und Tier) werden ferner große Mengen Phyto- und Bakterienplankton aus dem Wasserkörper entfernt, wodurch die Sichttiefe ansteigt und tlw. die Ansiedlung von Makroalgen, wie z. B. dem Meeressalat (Ulva lactuca) begünstigt. Aktuelle Forschungsvorhaben zielen auf eine Integration von Muscheln und Makroalgen, also von Organismen, die Nährstoffe aus dem Wasser entfernen, in der Fischzucht ab, welche so zu einer erhöhten Wertschöpfung beitragen (Iengl. ntegrated Multitrophic Aquaculture, integrierte Multitrophe Aquakulturen, IMTA) .

Warum sind Muscheln nicht zu jeder Zeit des Jahres genießbar?

Durch die Einführung moderner Kühlsysteme sind Muscheln generell keine Saisonware mehr. Problematisch kann jedoch die Kontamination der Muscheln mit Algentoxinen sein. Diese Toxine werden natürlicherweise von Algen als Fraßschutz gebildet. Normalerweise liegen die Toxine in geringen Konzentrationen in den Algen vor. Kommt es jedoch in Folge guter Nahrungsangebote zu einer Algenblüte toxischer Arten (z. B. Red Tides) treten aufgrund der hohen Planktondichte große Mengen der Toxine auf, welche aufgrund der filtrierenden Ernährungsweise in den Muscheln angereichert werden können. In der Lebensmittel-Hygieneverordnung wurden daher zum Schutz des Verbrauchers entsprechende Grenzwerte festgelegt:
1. Lähmungen hervorrufende Algentoxine (Paralytic Shellfish Poison – PSP): 800 Mikrogramm je Kilogramm
2. Amnesie hervorrufende Algentoxine (Amnesic Shellfish Poison – ASP):20 Milligramm Domoinsäuren je Kilogramm
3. Okadasäure, Dinophysistoxine und Pectenotoxine insgesamt: 160 Mikrogramm Okadasäure-Äquivalent je Kilogramm
4. Yessotoxine: 1 Milligramm Yessotoxin-Äquivalent je Kilogramm
5. Azaspiracide:160 Mikrogramm Azaspiracid-Äquivalent je Kilogramm

Literatur & Links

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Produktionsstatistiken: Food and Agriculture Organisation of the United Nations (FAO); FIGIS (online database for aquaculture production; http://www.fao.org/fishery/statistics/global-aquaculture-production/query/en)

 

[Stand 05/2019]

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