Netzgehege

Kurz erklärt*

Aquakultur in Netzgehegen ist weltweit verbreitet und kann sowohl im Süß-, also auch Brack- oder Salzwasser stattfinden. Foto: J. Bostock

Netzgehege, auch als Netzkäfige bezeichnet, sind offene Produktionssysteme und werden meist ausschließlich für die Mast von Fischen eingesetzt. Sie bestehen aus schwimmenden runden oder eckigen Plattformen oder Schwimmkörpern wobei der Durchmesser bzw. die Kantenlänge variieren kann. An diesen Konstruktionen sind Netze aus Kunststoff oder anderen Materialien (z. B. Kupfer, Stahl) zur Haltung der Tiere befestigt (teilweise doppelwandig). Netzgehege sind meist fest am Gewässerboden verankert.

Aquakultur in Netzgehegen ist weltweit verbreitet und kann sowohl im Süß-, also auch Brack- oder Salzwasser stattfinden. Im Mekong wird bspw. Pangasius in schwimmenden Netzgehegen erzeugt, während in norwegischen Fjorden Atlantischer Lachs und im Mittelmeer Doraden und Wolfsbarsche, aber auch Thunfische in solchen Produktionssystemen gemästet werden. Auch in größeren Seen oder Talsperren können solche Aquakulturen installiert werden (z. B. Regenbogenforellen in der Türkei). Die Netzgehege werden hierbei nahezu ausschließlich für die Mast oder Haltung verwendet. Die Besatzfische werden z. B. in langestützten Anlagen (insbes. Kreislaufanlagen) erzeugt und erst ab einer bestimmten Mindestgröße in die Netzgehege besetzt. Beispiele für diese Produktionsweise liefern z. B. Doraden und Lachse. Mitunter werden auch Jungtiere aus natürlichen Gewässersystemen entnommen und bis zur Schlachtung in Netzgehegen gemästet (z. B. Thunfische).

Da in den Netzgehegen keine ausreichende Nahrungsgrundlage für die gehaltenen Tiere zur Verfügung steht, muss ausreichend Futter eingebracht werden. Daher handelt es sich bei Netzgehegeanlagen meist um intensive Aquakultur (auch da oft einzelne Produktionsschritte in Kreislaufanlagen stattfinden).

Der Betrieb von Netzgehege-Aquakulturen ist verhältnismäßig günstig, da z. B. eine Wasseraufbereitung durch Filtersysteme nicht stattfindet. Die Netzgehege werden mit ausreichend Frischwasser versorgt. Diese offene Produktionsweise kann allerdings auch einen großen Nachteil darstellen. Genau wie Teichwirtschaften befinden sich Netzgehege als offene Systeme immer im Austausch mit der umgebenden Umwelt. Nicht gefressenes Futter und Fäkalien gelangen in den Wasserkörper und können sich am Grund ablagern (Nährstoffeintrag). Die Bewirtschaftungsintensität sollte sich also am Wasserkörper orientieren. Durch extreme Wetterereignisse können die Netzgehege beschädigt werden, sich losreißen, überspült werden oder kippen und die Tiere entkommen (sog. Escapees). Dies kann mitunter eine Gefahr für die Wildbestände darstellen (Einkreuzung). Krankheitserreger und Parasiten können in die Netzgehege gelangen und sich dort ausbreiten bzw. vermehren. Dies kann zu einer erhöhten Parasitenfracht im umgebenden Ökosystem führen und ebenfalls die natürlichen Bestände bedrohen. Die parasitäre Lachslaus verursacht z. B. große Probleme in norwegischen Aquakulturen und den Gewässersystemen.

Eine Sonderform stellt die sogenannte „Offshore“-Aquakultur weitab der Küste (engl. shore) dar. Hierbei handelt es sich bspw. um frei schwimmende, käfigartige Strukturen (z. B. kugelförmige Netzgehege), die sich frei auf den Weltmeeren bewegen und mitunter auch unter die Wasseroberfläche abgesenkt werden können. Durch die Produktion im offenen Meer sollen auch die genannten Nachteile verringert werden. Der Nährstoffeintrag verteilt sich und der Kontakt mit natürlichen Populationen wird minimiert. Alternativ könnten die Netzgehege auch an Strukturen, wie sie Windparks bieten, befestigt werden. Derzeit werden viele Optionen im Bereich der „Offshore“-Aquakultur erforscht.

 

* Hier geben wir einen kurzen Einblick in ein Themenfeld. Ein Hauptartikel mit umfassenden Informationen nach den Standards von Aquakulturinfo befindet sich in Vorbereitung. Hier lesen Sie bald mehr über Netzgehege …

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