Pangasius

Pangasianodon hypophthalmus
Der Pangasius (Pangasianodon hypophthalmus) hat er sich als nahezu idealer Kandidat in der Aquakultur etabliert. Unter idealen Bedingungen erreicht er bereits nach 6 Monaten das Schlachtgewicht.

Der überwiegende Teil des produzierten Pangasius stammt aus Vietnam, gefolgt von Indonesien und Kambodscha. Foto: L. Xuyen

Der Pangasius (Pangasianodon hypophthalmus) gehört zur relativ kleinen Familie der Hai- oder auch Schlankwelse (Pangasiidae), die mit 21 beschriebenen Arten zwischen Pakistan und Borneo vorkommt. Die meisten Arten, wie auch der Pangasius, sind dabei im Mekong (Vietnam, Thailand, Kambodscha) und dem Chao Phraya (Thailand) zu finden.

Short profile

Hauptproduktionsländer
Größe
bis 150 cm, meist wesentlich kleiner
Herkunft
Asien (Mekong)
Nahrung
Omnivor (Allesfresser)
Jahresproduktion
3.213.246 t (2019, FAO)
Biologie

Der Pangasius ist ein tagaktiver Süßwasserfisch. Ausgewachsene Tiere können eine Gesamtlänge von 1,5 m bei einem Gewicht von 44 kg erreichen. Im Gegensatz zu den meisten seiner Verwandten ist der Pangasius ein sehr geselliger Fisch, der oft in großen Schwärmen auftritt. Eine besonders stark durchblutete Schwimmblase ermöglicht es ihm, Luftsauerstoff zu atmen. Diese anatomische Besonderheit ist eine Anpassung an sauerstoffarme Wasser-bedingungen (bspw. in Totarmen oder hoher Sauerstoffzehrung in der Regenzeit). Das Nahrungsspektrum ist ausgesprochen breit gefächert und umfasst Algen, Früchte, grüne Pflanzenteile, Schnecken, Krebstiere und Fische.

Pangasius

Aquakultur

Da der Pangasius gegenüber Artgenossen keinerlei Aggressionen zeigt, ein breites Nahrungsspektum hat, kaum Gräten aufweist und einfach zu züchten ist, hat er sich als nahezu idealer Kandidat in der Aquakultur etabliert. Durch sein enormes Wachstumspotential erreicht er unter idealen Bedingungen bereits nach 6 Monaten sein Schlachtgewicht von 1,5 bis 2 kg. Für die Fütterung wird entweder kommerzielles Pelletfutter mit Proteingehalten zwischen 22 und 30 % und geringen Fettgehalten von 5 und 7 % (Tomboy Aquafeed/Skretting) eingesetzt oder das Futter wird direkt auf den Zuchtfarmen aus lokal vorhandenen Zutaten selbst hergestellt. Diese „Farmfutter" bestehen zumeist aus veränderlichen Anteilen von Reis (Bruch), Sojamehl, Schnecken und einheimischen Fischen. Je nach Futter und Aufzuchtmethode liegt die Futterverwertung (Feed-Conversion-Ratio, FCR) - die Menge Futter, welches eingesetzt werden muss, um 1 kg Fisch zu erzeugen - relativ hoch, zwischen 1,8 und 3,1, was vorrangig auf die Qualität der verwendeten Zutaten zurückzuführen ist.

Produktionstechnik

Neben dem eigentlichen Pangasius (P. hypophthalmus), welcher auch als Tra bezeichnet wird, kommt gelegentlich auch noch der nahverwandte Basa (P. bocourti) als „Pangasius" in den Handel. Der überwiegende Teil des produzierten Pangasius stammt aus Vietnam, gefolgt von Indien, Indonesien und Kambodscha. Im Jahr 2019 erzeugte allein Vietnam ca. 1.6 Millionen Tonnen Pangasiusprodukte mit einem geschätzten Warenwert von über 1,7 Milliarden US Dollar. Pangasius wird in drei verschiedenen offenen Aquakultursystemen (im Unterschied zu geschlossenen Kreislaufanlagen) produziert, was die Qualität des Fisches beeinflussen kann und prinzipiell – abhängig von der Bewirtschaftungsintensität – eine Emission von Nährstoffen in die Umwelt zur Folge hat. Die ökologischen Auswirkungen solcher Emissionen können minimal bis gravierend sein und sind im Einzelfall zu beurteilen.

1. Schwimmende Netzgehege

Ende der 1990er-Jahre wurde das Verfahren der schwimmenden, fest verankerten Netzgehege mit Größen zwischen 50 und 1.600 m³ erfolgreich eingeführt. Da die Netzgehege einfach verankert und transportiert werden können, bietet diese Art der Hälterung den Betreibern eine erhöhte Flexibilität bei der Auswahl der Standorte. Die Fische wachsen in fließendem Wasser auf, sind dabei jedoch auch allen anthropogenen Schadstoffen und Krankheitserregern ausgesetzt, die im jeweiligen Flussabschnitt ggf. vorkommen.

2. Aufzucht in abgesperrten Flussbereichen (Quangs)

Für die Aufzucht in Quangs werden geeignete Bereiche des Flusses (meist flache Bänke) mit Netzen abgesperrt, was die Zahl der möglichen Standorte einschränkt. Die bewirtschafteten Flächen können je nach den örtlichen Gegebenheiten bis zu 10.000 m³ groß sein. Den Tieren steht somit ein recht großer Schwimmraum zur Verfügung, wobei frisches Flusswasser wie bei den Netzgehegen hohe Austauschraten ermöglicht, jedoch auch die Problematik der möglichen Parasiten- und Schadstoffbelastung nach sich zieht. Aufgrund der oft geringeren Haltungsdichten wird die Qualität von Pangasius aus den Quangs als besonders hoch angesehen.

3. Teichwirtschaft

Die am häufigste und von der Produktionsmenge her bedeutendste Form der Aufzucht stellt die Teichwirtschaft mit ca. 90 % des Gesamtproduktionsvolumens dar. Die verwendeten Teiche sind gewöhnlich zwischen 1.000 und 10.000 m² groß und bis zu 4 m tief. Oft wird eine sog. Rotationsbewirtschaftung praktiziert, in der die Teiche nach der Abfischung für eine gewisse Zeit trockengelegt und z. T. gekalkt werden, um Krankheitserreger abzutöten und die Produktion an Futterorganismen in der Folge zu erhöhen.

Produktangebot

Filet: Am häufigsten wird das Filet gehandelt. Filets werden je nach Größe und Färbung (Kategorien: White, Pink Bewertungssystem und Yellow) verschiedenen Qualitätsstufen zugeordnet. Bisher gibt es jedoch kein einheitliches, so dass es durchaus zu Abweichungen zwischen verschiedenen Zulieferern kommen kann. Die Filets werden entweder komplett ohne Bauchlappen (fully trimmed oder belly off) oder mit einem ca. 1,2 cm breiten Bauchstreifen (belly on) als IQF (engl. Individual Quick Frozen), als Layer Pack, Shatter Pack, Candy Wrap oder als Blockware (high und low compression) angeboten.

Karbonade (chunk): Hier wird der ganze Fisch in ca. 3 cm dicke Scheiben geschnitten. Die so gewonnenen Karbonaden/Steaks sind noch von der Haut und der darunterliegenden Fettschicht umgeben. Dieses Produkt ist besonders auf dem asiatischen Markt sehr beliebt.

Ganze Fische: Ganze Fische mit Gewichten zwischen 0,9 und 2 kg werden ausgenommen und mit Kopf (engl. whole gutted) oder ohne Kopf (engl. headed and gutted) angeboten. Sie sind besonders zum Räuchern geeignet.

Pangaisus filet

Zertifizierung

Aufgrund der hohen wirtschaftlichen Bedeutung haben sich viele vietnamesische Farmer auf die Produktion zertifizierter Waren eingestellt, so dass gerade Pangasius mit einer Vielzahl von Zertifikaten in den Handel kommt. Grundsätzlich kann man diese in Bio-zertifizierte und Nicht-Bio-zertifizierte Ware unterteilen. Zu den Bio-Zertifikaten zählen u.a. das EU Bio-Siegel, sowie das Label des Naturland Verbandes sowie die Produktion von Bio-Pangasius in Quangs. Allen gemeinsam sind die Festlegung maximaler Besatzdichten (ASC 80 kg/m³), eine stark reglementierte und kontrollierte Medikamentenverabreichung im Krankheitsfall sowie die Vorgabe der zu verwendenden Futtermittel.

Nachgehakt

Wie steht es mit der Lebensmittelsicherheit von Pangasiusprodukten?

Da die Aufzucht des Pangasius meist in direktem Zusammenhang mit dem Wasser des Mekong steht, ist dieses auch die größte Gefahrenquelle. Während der unsachgemäße Gebrauch von Chemikalien und Medikamenten nur noch in nicht zertifizierten und schlecht geführten Farmen als problematisch einzustufen ist, transportiert der Mekong durch sein riesiges Einzugsgebiet von fast 800.000 km² auch eine entsprechende Menge Abwässer und Unrat. In Einzelfällen wurden diesbezüglich in Pangasiusprodukten Anteile von Herbiziden und mitunter mikrobielle Verunreinigungen nachgewiesen. Die Produktqualität muss entsprechend überprüft werden.

Können Produkte vom Pangasius bedenkliche Zusatzstoffe enthalten?

Einige Verarbeitungsbetriebe behandeln die Filets mit wasserbindenden, legalen Zusatzstoffen wie Polyphosphaten (z. B. E 452), die in der Lebensmittelverarbeitung als Festigungsmittel, Stabilisatoren oder Schmelzsalze zugelassen sind. Dies ist, wenn es auf der Verpackung deklariert wird, auch zulässig und dient vornehmlich der Produktverbesserung, kann aber verbotenerweise auch dazu verwendet werden, das Gewicht des einzelnen Filets durch Bindung von Wasser zu erhöhen (bis zu 20 %). Deshalb darf z. B. nach den Richtlinien des vietnamesischen Ministeriums für Agrikultur und ländliche Entwicklung der Wassergehalt eines Filets nicht über 83 % liegen. Da von diesen mit Polyphosphaten behandelten Filets keinerlei gesundheitliche Gefahren ausgehen, ist diese Manipulation vorrangig als Verfälschung des Produktgewichtes zu werten.

Geht von der Aquakultur des Pangasius eine Gefahr für die Umwelt aus?

Des Öfteren findet sich die Behauptung, die Pangasiusproduktion würde den Mekong besonders stark belasten. Neueste wissenschaftliche Studien gehen davon aus, dass die Gesamtheit aller Aquakulturbetriebe Vietnams mit weniger als 1 % zur Belastung des Mekongwassers mit Stickstoff, Phosphaten und Schwebstoffen beiträgt. Die zunehmende Anzahl von zertifizierten Betrieben und die einhergehenden Kontrollen tragen ferner zu einem rückläufigen Trend bei. Wie in jeder anderen Form der Tierzucht auch, kann es bei schlecht geführten Farmen oder einer extremen Dichte von Farmen zu lokalen Umweltbelastungen durch eingeleitete Abwässer kommen.

Ist die Aquakultur von Pangasius nachhaltig?

Die Frage nach der Nachhaltigkeit von Pangasiusaquakulturen ist durchaus positiv zu werten. Zum einen werden Eier bzw. wird die Brut nicht mehr wie früher üblich dem natürlichen Ökosystem entnommen, sondern in speziellen Brutanstalten unter kontrollierten Bedingungen produziert. Zum andern stellt der Pangasius als Allesfresser keine großen Nahrungsansprüche und kann auch mit wenig oder sogar ohne tierisches Protein aufgezogen werden. Die Belastung der Umwelt ist als relativ gering einzustufen (insbesondere in zertifizierten Farmen). Durch die starke Nachfrage nach Pangasius stellt der Bereich der Aquakultur einen bedeutenden Wirtschaftszweig in den Produktionsländern dar, der über 220.000 Beschäftigten (im Jahr 2008) eine Existenz sichert.

Sind Pangasiusprodukte oft mit Medikamenten- oder Chemikalienrückständen belastet?

Nach dem Verbot des krebserregenden Malachitgrüns durch die vietnamesische Regierung im Jahre 2005 (welches gegen Fischparasiten und Pilzinfektionen eingesetzt wurde) und der Nulltoleranzgrenze in der EU wird diese Substanz nur vereinzelt nachgewiesen (siehe auch Europäischen Schnellwarnsystems für Lebensmittel und Futtermittel - RASFF). Auch für weitere Stoffe (Antibiotika, Nitrofurane und Tetracykline) werden regelmäßig Importkontrollen von den zuständigen Behörden durchgeführt.

Literatur & Links

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Tu, V.B., D'Haese, M., Speelman, S., D'Haese, L., 2010. The Influence of Changes in the Market Environment on Economic Production Characteristics of Pangasius Farming in the Mekong Delta (Vietnam). Marine Resource Economics 25, 373-390.

Produktionsstatistiken: Food and Agriculture Organisation of the United Nations (FAO); FIGIS (online database for aquaculture production; http://www.fao.org/fishery/statistics/global-aquaculture-production/query/en)

 

[Stand 05/2019]

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