Siegel/Zertifikate

Durch die Einführung von Qualitäts- oder Gütesiegeln (auch: Zertifikate, Label) für Produkte aus der Aquakultur ist es möglich diese mit Eigenschaften wie umweltfreundlich, ökologisch oder Nachhaltigkeit und Qualität zu verknüpfen.

Durch die Einführung von Qualitäts- oder Gütesiegeln (auch: Zertifikate, Label) für Produkte aus der Aquakultur ist es möglich diese mit Eigenschaften wie umweltfreundlich, ökologisch oder Nachhaltigkeit und Qualität zu verknüpfen, ähnlich wie das bereits bei anderen Lebensmitteln durchgeführt wird. Jedes Siegel garantiert hierbei die Einhaltung von eigenen, festgelegten Kriterien während des Produktionsprozesses. Die dabei zugrundeliegenden Kriterien und deren Gewichtung können von Zertifikat zu Zertifikat sehr unterschiedlich ausfallen. Die meisten Zertifizierer schließen Auswirkungen auf die Umwelt und soziale Aspekte mit ein. Generell lassen sich diese Siegel in zwei Gruppen teilen, in die Bio-Zertifikate und die Nicht-Bio-Zertifikate. Die meisten Zertifikate definieren artübergreifende Standards wie beispielsweise eine maximale Haltungsdichte, Produktionssysteme und verwendete Futtermittel. Da Fischarten jedoch sehr unterschiedliche Lebensweisen haben, sollten artspezifische Unterschiede Eingang finden. So ist bspw. für bodenlebende Plattfische vor allem die zur Verfügung stehende Bodenfläche ausschlaggebend für den Besatz, nicht das Wasservolumen wie bei Forellen, die die gesamte Wassersäule nutzen. Teilweise werden mehrere Zertifikate verwendet. Zu den zurzeit gebräuchlichsten zählen nachfolgende Zertifikate.

ASC – Aquaculture Stewardship Council

ASC

In Weiterentwicklung und als Ergänzung des GlobalG.A.P.-Standards wurde 2009 unter Federführung des WWF, in Anlehnung an das MSC-Siegel bei Fischereierzeugnissen, das ASC-Siegel ins Leben gerufen. Hier entwickelten Fischzüchter, Umweltexperten, Regierungsvertreter und andere Interessengruppen gemeinsame Kriterien für nachhaltige Aquakulturprodukte mit dem Ziel in der Aquakultur bestimmten Standards zu etablieren und so dem Verbraucher eine hohe Qualität und Produktsicherheit zu garantieren.

Seit 2012 liegen nun Umwelt- und Sozialstandards für 12 Spezies bzw. Artengruppen vor. Im November 2017 kam ebenfalls ein übergreifender ASC-MSC-Standard für Algen dazu. Im Gegensatz zum GlobalG.A.P.-Label zählt das des ASC zu den Verbrauchersiegeln („Consumer"-Label), d. h., dass der Konsument mit Hilfe des Labels eine Entscheidungshilfe und Informationsquelle für angebotene Produkte erhält.

BAP - Best Aquaculture Practices

BAP

Die Best Aquaculture Practices (BAP) Standards werden von der 1997 gegründeten Global Aquaculture Alliance (GAA) festgelegt und kontrolliert. Sie beinhalten Tierschutz- und Nachhaltigkeitsaspekte ebenso wie Rückverfolgbarkeit und Lebensmittelsicherheit. Die Verwendung von pflanzlichen Alternativen für Fischmehl und -öl in Futtermitteln wird hierbei ausdrücklich unterstützt. Neben den definierten, artspezifischen Standards für Lachs, Garnelen, Pangasius, Tilapia, Gabelwels und Muscheln bietet BAP als einzige Organisation die Möglichkeit der nicht spezies-spezifischen übergreifenden Zertifizierung von Fischen und Krebstieren, welche nicht in Einzelstandards erfasst werden (z. B. für Arten, die in geringeren Mengen produziert werden und daher aus der Zertifizierung der meisten Organisationen herausfallen). Laut Angaben des Unternehmens waren im Dezember 2017 insgesamt 1850 Produktionseinrichtungen für das Siegel gelistet.

Deutsches (EU) staatliches Bio-Siegel

EU-Bio

Im Jahr 2007 wurde ein eigener Bereich zur ökologischen Aquakultur in die EU-Öko-Basisverordnung aufgenommen (EG Nr. 834/2007). Die damit einhergehenden Durchführungsbestimmungen gelten seit 2010. Bei der Bio-Aquakultur steht die kontrollierte Zucht von Fischen unter Berücksichtigung gesundheitlicher und ökologischer Aspekte im Vordergrund. Wesentliche Unterschiede zur konventionellen Aquakultur sind, dass die Fische in bestimmten maximalen Besatzdichten gehalten werden müssen und nur Futtermittel (>95 %) aus ökologischer Produktion (Ausnahmeregelung bis 31.12.2014) verwendet werden dürfen. Die Haltung in emmissionsarmen, geschlossenen Kreislaufanlagen ist nur für die Aufzucht von Brut und Jungtieren zulässig. Dies wird im Hinblick auf die möglichen ökologischen Vorteile geschlossener Systeme (Kreislaufanlagen) vielfach kritisiert. Die Verwendung von pflanzlichen Bestandteilen bei Futtermitteln für karnivore Fische ist derzeit eingeschränkt. Das staatliche Öko-Siegel gilt als ausgewiesenes „Consumer"-Label und wird von der Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung vergeben.

FOS - Friend of the Sea

FOS

Das weltweit verbreitete Konsumenten-Label von Friend of the Sea (FOS oder FOTS) wurde 2005 von Paolo Bray, dem europäischen Direktor des Dolphin-Safe-Labels, gegründet. Es ist der einzige Standard, der nachhaltige Fischerei und Aquakultur gleichermaßen abdeckt. Die zugrunde liegenden Kriterien wurden ursprünglich von FOS selbst festgelegt, orientierten sich aber an den FAO-Richtlinien für nachhaltige Fischerei (vor allem für die Produktion von Fischmehl und -öl). Den wachsenden Ansprüchen im Bereich der Aquakultur wurde durch zahlreiche Neuerungen in den Jahren 2009 und 2010 Rechnung getragen, u. a. müssen Produzenten nun jährlich eine CO2-Bilanzierung vorlegen. Im Hinblick auf die Nutzung nachhaltig produzierter Futtermittel (es werden nur Empfehlungen ausgesprochen), Besatzdichten (hier werden keine Grenzwerte angegeben oder Empfehlungen ausgesprochen) und eine komplette Rückverfolgbarkeit weist dieses Label Schwächen auf.

GLOBALG.A.P. – Good Agriculture Practice

GlobalGAP

GlobalG.A.P. wurde 1997 eingeführt mit dem Ziel, anerkannte Standards für eine „Gute Praxis in der Landwirtschaft" (Good Agriculture Practice, GAP) zu etablieren. Im Jahre 2004 wurden diese Standards auch für die Aquakultur ausgearbeitet. Sie umfassen die Bereiche Lebensmittelsicherheit, Tierschutz (Animal Welfare), Arbeitsschutz, Umweltschutz und soziale Faktoren bei der Produktion für insgesamt 38 Arten. Die Standards für die Zertifizierung umfassen alle Stufen des Produktionsprozesses, von der Futtermittelherstellung, über die Larvenproduktion bis zur Mast und Schlachtung. Grundlegend dabei sind die nachweisbare Trennung und die damit einhergehende Rückverfolgbarkeit einzelner Produktionsschritte. Die Global G.A.P.-Zertifizierung gilt als reiner „business to business"-Standard, d. h., dass dieser vorrangig Informationen für die Handelspartner vom Produzenten hin zum Einzelhandel liefert.

Naturland

Naturland

Seit Mitte der 1990er-Jahre hat der Naturland-Verband Richtlinien für verschiedene Arten und Haltungssysteme der Aquakultur entwickelt und gilt somit als Vorreiter der Öko-Zertifizierung in der Aquakultur. Naturland schreibt nicht nur produktionstechnische, sondern auch soziale Standards vor. Im Gegensatz zum staatlichen Öko-Siegel darf nur nach Naturland-Richtlinien zertifiziertes Futter zum Einsatz kommen. Neben allgemeinen Richtlinien gibt es ergänzende Vorschriften für die Aquakultur einer Reihe von Arten, wie Karpfen, Salmoniden, Muscheln oder tropischer Süßwasserfische. Der Einsatz von Chemikalien ist untersagt und strenge Vorgaben regeln Natur- und Tierschutz. Die Aufzucht und Mast in künstlichen Behältnissen (z. B. in Kreislaufanlagen) ist nach den Richtlinien von Naturland nicht zulässig. Das Siegel von Naturland ist ebenfalls ein „Consumer"-Label.

 

Vergleich Aquakulturlabel

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