Wels, Afrikanischer Raubwels

Clarias gariepinus
Der Afrikanische Raubwels (Clarias gariepinus) wird heute in Aquakulturen weltweit produziert. Die Art gilt als besonders robust und zeichnet sich durch die Fähigkeit aus, Luft zu atmen.

Afrikanische Raubwelse gelten als äußerst robust. Sie werden weltweit produziert. Foto: Shutterstock

Afrikanische Raubwelse (engl. African catfish, North African catfish oder African sharptooth catfish; teilweise auch Clarias genannt) gehören zur Familie der Kiemensackwelse (Clariidae). Diese Welse können mittels ihres sogenannten Suprabranchialorgans Luft aufnehmen und atmosphärischen Sauerstoff nutzen. So sind sie in der Lage, auch einige Zeit „an Land“ zu überleben. Schwindet das Wasser während einer Trockenzeit, graben sie sich im Schlamm ein oder legen gar kurze Entfernungen über Land – z. B. von einem Gewässer zum nächsten – zurück. Afrikanische Raubwelse gelten als äußerst robust, denn sie sind tolerant gegenüber schwankenden Wasserparametern (Temperatur, Sauerstoff, Salzgehalt, Stickstoffverbindungen) und haben ein breites Beutespektrum. Sie wachsen schnell und sind effiziente Futterverwerter. Diese Eigenschaften trugen dazu bei, dass sich die Aquakultur von Afrikanischen Raubwelsen allein im Zeitraum von 2000 bis 2018 circa um den Faktor 40 gesteigert hat. Heute wird diese Art weltweit in verschiedenen Produktionssystemen erzeugt.

Short profile

Hauptproduktionsländer
Größe
bis 170 cm, meist deutlich kleiner (~90 cm)
Herkunft
Afrika, süd-westl. Asien
Nahrung
Wirbellose, Fische, selten Vögel oder Pflanzen
Jahresproduktion
239.189 t (2019, FAO)
Biologie

Afrikanische Raubwelse haben einen langgestreckten Körper und einen flachen, großen Kopf mit kleinen Augen. Die Rücken- und Analflossen sind langgezogen. Rund um das endständige, große Maul befinden sich acht Barteln (vier Paare). Die Körperfarbe variiert individuell, jedoch auch in Abhängigkeit von der Umgebung von sandfarben bis zu dunklem Braun-Grün, fast schwarz, mit weißem Bauch. Sie erreichen Längen von bis zu 170 cm mit einem Gewicht von 60 kg, meist bleiben sie mit etwa 90 cm jedoch deutlich kleiner. Das höchste bekannte Alter eines Individuums betrug 15 Jahre.

Afrikanische Raubwelse zeichnet besonders eine Fähigkeit aus: Sie können Luft abschlucken und in einem gut durchbluteten, blumenkohlähnlichen Organ ­ dem Suprabranchialorgan, das an die Kiemen assoziiert liegt, halten. Dadurch können sie atmosphärischen Sauerstoff aufnehmen (Luftatmung). Diese Anpassung ermöglicht es Afrikanischen Raubwelsen, mehrere Tage ohne Wasser im Schlamm zu überleben oder kurze Entfernungen über Land zurückzulegen.

Afrikanische Raubwelse sind sehr anpassungsfähig und tolerieren extreme Schwankungen in den Umweltbedingungen (Temperatur, Sauerstoffgehalt, Nährstoffgehalt). So können diese Generalisten unterschiedliche aquatische Lebensräume in Anspruch nehmen. Sie stammen ursprünglich aus Afrika sowie dem südwestlichen Asien. Jedoch haben sie sich auch darüber hinaus verbreitet. Sie bewohnen Seen, Fließgewässer, Überflutungsgebiete und Sümpfe bis hin zu Wasserlöchern und Reisfeldern. Durch eine gewisse Salztoleranz können sie auch im Brackwasser leben.

Diese omnivoren Welse gehen vor allem in der Dämmerung und in der Nacht auf Jagd, teilweise auch an Land. Dabei verlassen sie sich vor allem auf ihre Barteln (Tastsinn) und ihren Geruchssinn, um potenzielle Beute auszumachen. Sie fressen nahezu alles, was in das große Maul passt (omnivor), darunter Fische, Weichtiere, Insekten, Aas, aber auch Amphibien, Laich, Pflanzen und Obst, kleine Säugetiere und Vögel. Die schnellwüchsige Art erreicht bei guten Bedingungen im Alter von circa 12 Monaten die Geschlechtsreife (Weibchen ca. 40.–.45 cm, Männchen ca. 35 – 40 cm).

Die paarweise Vermehrung findet vornehmlich während der Regenzeit statt. Die Afrikanischen Raubwelse unternehmen mitunter Wanderungen, um die Laichplätze in flachen Wasserregionen aufzufinden (überschwemmte Gebiete). Sind die Bedingungen optimal, können sich Afrikanische Raubwelse auch ganzjährig vermehren. Während der Paarung kommt es besonders unter den Männchen zu Aggressionen und zum Kampf um die Weibchen. Findet sich ein Paar an einem geeigneten Laichplatz, legt das Weibchen rund 60.000 klebrige Eier pro kg Körpergewicht. Diese werden vom Männchen befruchtet und vom Weibchen durch Schläge mit der Schwanzflosse verteilt. Dieser Prozess erfolgt mehrfach in kurzen Abständen.

Die Embryonen entwickeln sich sehr schnell und der Schlupf erfolgt in Abhängigkeit von der Wassertemperatur nur wenige Tage nach der Befruchtung. Brutpflege findet nicht statt. Die Larven und Jungfische verbleiben zunächst in den Überschwemmungsgebieten. Im warmen, nährstoffreichen Wasser erreichen sie bereits nach circa 30 Tagen ein Gewicht von 3 bis 7 g.

Aquakultur

Afrikanische Raubwelse werden in ihrem ursprünglichen Verbreitungsgebiet bereits seit Langem in Aquakulturen (meist extensiven Teichwirtschaften) gezielt gezüchtet. Die biologischen Eigenschaften dieser Art begünstigten jedoch besonders in den vergangenen 20 Jahren eine rasante Steigerung der Produktion weltweit. Dies wurde durch die Etablierung von Protokollen zur gezielten Vermehrung ermöglicht. Heute wird der Afrikanische Raubwels weltweit, auch in Deutschland (knapp 1.200 t im Jahr 2019; Destatis), in Aquakulturen produziert. Durch die Toleranz der Afrikanischen Raubwelse gegenüber verschiedenen Umweltparametern und ihre Robustheit eignen sich nahezu sämtliche Produktionssysteme für die Aquakultur dieser anpassungsfähigen Art.

Gezielte Vermehrung von Afrikanischen Raubwelsen

Die Vermehrung der Afrikanischen Raubwelse wird bei wildlebenden Fischen von Umweltereignissen gesteuert (Wasserzufuhr in der Regenzeit). Solche Veränderungen der Umwelt kommen i. d. R. unter Aquakultur-Bedingungen nicht vor. Dennoch können unter idealen Bedingungen auch Jungfische aus spontaner Vermehrung gewonnen werden (ohne Zutun der FischwirtInnen). Dieser Prozess ist jedoch nicht zielgerichtet und eignet sich daher nicht für die planbare, ganzjährige Versorgung von Mastbetrieben mit Jungfischen. Wie bei vielen anderen Arten in Aquakultur auch, wird daher bei Afrikanischen Raubwelsen die gezielte Vermehrung in speziellen Aufzuchtanlagen durchgeführt und werden die Jungfische anschließend in die Produktionssysteme für die Mast verbracht.

Die Umweltparameter (Temperatur, Licht, Nährstoffe, Futter usw.) werden in den Laichfisch-Gruppen gezielt gesteuert, um ideale Bedingungen für die Reifung der Geschlechtsprodukte zu gewährleisten. Männliche Afrikanische Raubwelse (Milchner) haben das ganze Jahr über reife Spermien (Milch). Diese können jedoch nicht durch Abstreifen gewonnen werden. Daher werden die Männchen zur Gewinnung der Spermien getötet oder es wird eine Operation zur Entnahme der Spermien durchgeführt. Die Männchen einer Laichfischgruppe müssen also regelmäßig ersetzt werden. Die finale Eireifung und Eiablage geschieht bei den Weibchen erst nach der Stimulation mit Hormonen (auch mehrmals im Jahr möglich). Hierbei werden verschiedene Präparate eingesetzt (synthetische Hormone, auch Hypophysen von Karpfen, anderen Welsen oder Tilapien). In Deutschland ist dies genehmigungspflichtig und wird ggf. unter Aufsicht der zuständigen Veterinärbehörde durchgeführt. Sobald die finale Eireifung abgeschlossen ist, werden die Weibchen abgestreift. Der Zeitpunkt des Abstreifens ist kritisch. Bei zu frühem oder zu spätem Abstreifen sinkt die Eiqualität drastisch. Die Menge der Eier eines Weibchens hängt vom Körpergewicht ab (ca. 5 – 15 % des Körpergewichts). Die Eier sind grünlich, klein (~1 mm, ca. 500 Eier pro Gramm) und klebrig. Die Eier werden mit den Spermien vermischt und nach der Zugabe von Wasser oder von speziellen Lösungen zur Verbesserung des Befruchtungserfolges beginnt die Befruchtung.

Die befruchteten Eier werden in spezielle Inkubationssysteme überführt und die Larven schlüpfen in Abhängigkeit von der Wassertemperatur (> 24 °C, meist ~30 °C) bereits nach kurzer Zeit (ca. 20 – 60 h). Die Larven ernähren sich eigenständig, nachdem der Dottersack aufgebraucht ist (ca. 2 – 4 Tage), zunächst von lebendigem Zooplankton (in Aquakulturen oft Artemien als Lebendfutter). Die Nahrung wird dann schrittweise auf pelletierte Futtermittel umgestellt.

Bei der Vermehrung in offenen Systemen (Becken im Freiland oder Teichen) geschieht die Vermehrung spontan (Einbringung von Laichsubstrat, wie Pflanzen; eher selten) oder ebenfalls durch gezieltes Abstreifen. Die befruchteten Eier oder Larven werden in Aufzuchtteiche verbracht, wo sich die kleinen Welse zunächst von Zooplankton ernähren. Auch eine Zufütterung von z. B. Eidotter oder Rinderhirn in diesem frühen Stadium wird praktiziert.

Juvenile Clarias

Aufzucht

Die jungen Afrikanischen Raubwelse sind effiziente Futterverwerter (Futterverwertungsrate – engl. feed conversion rate, FCR – von bis zu 0,5, meist etwas schlechter) und wachsen in Abhängigkeit von der Wassertemperatur (ca. 25 – 33 °C, als ideal gelten 28 – 30 °C) und der Futterverfügbarkeit schnell (Körpergewicht von 5 – 8 Gramm nach 24 – 30 Tagen). Nach Erreichen einer bestimmten Größe (10 – 15 g) werden die Jungfische in Produktionssysteme für die Mast überführt und wachsen dort bis zur Schlachtgröße heran (ab 300 Gramm Körpergewicht bei einem Alter von > 6 Monaten).

Zur Vermeidung von Kannibalismus und der Bildung sozialer Hierarchien müssen die Afrikanischen Raubwelse regelmäßig der Größe nach sortiert werden. Soziale Hierarchien können sich ebenfalls bei für die Aquakultur nicht optimal gewählten Besatzdichten etablieren (insbesondere wenn die Besatzdichte zu gering ist). Dies sorgt für ein ungleichmäßiges Wachstum und kann zu Stress, Verbiss und Folgeerkrankungen führen.

Produktionssysteme

Teiche (extensiv bis intensiv): Die Nutzung von Teichen (auch temporär gefluteter Teiche) zur Aufzucht Afrikanischer Raubwelse gilt als die traditionelle Aufzuchtmethode und ist auch heute noch weit verbreitet. Voraussetzung ist eine entsprechende Wassertemperatur (> 24 °C). Bei Nutzung als Brutteiche wird häufig vorab gedüngt, um das Wachstum von Zooplankton für die Larven zu unterstützen. Bei ausreichend Beuteorganismen lassen sich Teichwirtschaften so zumindest zeitweise extensiv betreiben (ohne zusätzliche Fütterung). Die Fische ernähren sich von der natürlich vorkommenden Nahrung. Die Brutteiche sind oft 100 – 250 m2 groß und werden mit ca. 100 – 250 Larven/m2 (extensiv) bis 2000 Larven/m2 (intensiv) besetzt. Dabei ist wichtig, dass keine Beutegreifer in den Teichen vorkommen, die den Larven nachstellen.

Da Afrikanische Raubwelse teilweise räuberisch leben, ist eine dauerhafte Mast ohne Zugabe von proteinreichem Futter meist nicht möglich bzw. wirtschaftlich. Die semi-intensive bis intensive Aquakultur (mit Fütterung ab Erreichen einer bestimmten Größe bzw. Reduktion der Beuteorganismen) ist daher besonders beliebt. Die Besatzdichten müssen an die Bedingungen (Fütterung, Teichtiefe usw.) und das Alter bzw. die Größe der Fische angepasst werden. Die Fische werden mit Nebenprodukten anderer Landwirtschaftszweige (auch Schlachtabfällen) oder pelletierten Futtermitteln gefüttert. Da die Teiche in Größe, Form, Futtereintrag, Besatz usw. stark variieren, kann der Ertrag entsprechend den Bedingungen stark variieren.

Beispiel: Bei einer Wassertemperatur im Teich von 26 – 28 °C wachsen die Welse mit pelletiertem Futter (30 – 35 % Proteingehalt) innerhalb von 7 bis 10 Monaten auf 800 g ab. So lassen sich pro Hektar Teichfläche 15 – 40 Tonnen Afrikanische Raubwelse in einem Produktionszyklus erzeugen (Teiche oft ~0,1 Hektar).

Kreislaufanlagen (intensiv): Die Aufzucht von Afrikanischen Raubwelsen in intensiven Kreislaufanlagen nimmt weltweit zu. Auch in Europa, v. a. in den Niederlanden, aber auch in Deutschland, wird diese Art in Kreislaufanlagen produziert. Man unterscheidet in der Mast der Jungfische meist zwei Phasen:
1.) Die Jungfische aus den Brutanstalten werden mit ca. 10 – 15 g eingesetzt und zu einer Größe von ca. 100 – 150 g aufgezogen (Besatzdichten von 100 – 300 kg pro Kubikmeter).
2.) Die Fische werden sortiert und bis zur Schlachtgröße (bis zu 1,5 kg) gehalten. In dieser finalen Wachstumsphase werden Haltungsdichten von bis zu 500 kg pro Kubikmeter erreicht (200 – 500 kg pro Kubikmeter). Innerhalb eines Produktionszyklus von ca. 6 Monaten lassen sich pro Kubikmeter Haltungsvolumen also bis zu mehrere Hundert Kilogramm Afrikanische Raubwelse produzieren. Die Fische werden ausschließlich mit optimiertem Pellet-Futter versorgt und erreichen eine Futterverwertungsrate von bis zu 0,8. Das heißt, mit 800 g (Trocken-)Futter wird 1 kg Fisch produziert. Voraussetzung für solch hohe Besatzdichten ist eine optimal abgestimmte Wasseraufbereitung (mit entsprechenden Filtersystemen und Wasseraustausch).

Die Besatzdichte steht in einem direkten Zusammenhang mit dem Tierwohl. Sie ist jedoch, wie bei vielen anderen Arten auch, nicht konstant über den gesamten Lebenszyklus. Negative Einflüsse von Besatzdichten sind sowohl für zu hohe als auch für zu niedrige Dichten bekannt. Besonders in Phase 1 und der frühen zweiten Phase der Mast können sich niedrige Besatzdichten negativ auf das Tierwohl auswirken (Bildung sozialer Hierarchien, aggressives Verhalten, Verbiss). Aggressives Verhalten oder Kannibalismus treten besonders in Phase 1 auch bei zu hohen Besatzdichten auf.

Durchflussanlagen (intensiv): Zwischen Teichen und reinen Kreislaufanlagen existiert eine große Bandbreite an Systemen, welche sich für die Aquakultur Afrikanischer Raubwelse eignen. Hierbei kommen v. a. Betonbecken oder -rinnen im Außenbereich zum Einsatz. Diese werden entweder kontinuierlich mit Frischwasser (oft aus Bächen oder Brunnen) versorgt oder es werden regelmäßig Wasserwechsel durchgeführt. Die Fütterung erfolgt meist mit pelletierter Nahrung. Im Vergleich zu Teichen sind die Besatzdichten i. d. R. höher, variieren jedoch stark, je nach Fischgröße und Wasserversorgung.

Besonders in urbanen Regionen werden solche Betonbecken (sog. Backyard-Aquakulturen, vom engl. Backyard – Hinterhof) eingesetzt, da nicht ausreichend Platz für Teichanlagen zur Verfügung steht. Sie sind typischerweise ca. 12 m2 groß und haben eine Tiefe von etwas über 1 m (mit großen Variationen in Form und Größe). Die Jungfische werden mit einer Größe von 5 – 15 g besetzt (ca. 400 Fische pro Becken) und wachsen binnen 6 Monaten zur Schlachtreife.

Netzgehege (intensiv): Die Mast von Afrikanischen Raubwelsen in Netzgehegen in langsam fließenden Flüssen oder (Stau-)Seen und Teichen ist wie auch die Aufzucht in Teichwirtschaften auf Regionen mit entsprechend warmen Temperaturen begrenzt. Die Setzlinge werden ab einer Größe von ca. 5 – 12 g in die Netzgehege eingebracht und mit pelletiertem Futter gefüttert und wachsen dort in Abhängigkeit von Futter, Temperatur und Haltungsdichte zur Schlachtgröße heran. Im Vergleich zur Aquakultur in Teichen oder Kreislaufanlagen sind Netzgehege von geringerer Bedeutung für diese Fischart.

Polykulturen (extensiv bis intensiv): Die Polykultur von Afrikanischen Raubwelsen mit anderen Fischarten (insbesondere Tilapia, anderen Kiemensackwelsen, Schlangenkopffischen) wird vielerorts praktiziert (nahezu ausschließlich in Teichen). Besonders in Kombination mit Tilapia sind für die Polykultur Vorteile beschrieben (Wachstum, Wirtschaftlichkeit). Die räuberischen Welse ernähren sich dabei auch von der Brut der anderen Fische. Auch in Kombination mit anderen Welsen ergeben sich Vorteile, da der Kannibalismus sinkt und die Überlebensrate steigt.

Aquaponik (intensiv): Afrikanische Raubwelse eignen sich aufgrund ihrer biologischen Eigenschaften sehr gut für die Erzeugung in kombinierter Pflanzen- und Fischzucht (sog. Aquaponik = Aquakultur und Hydroponik). Ihre breite Temperaturtoleranz ermöglicht bspw. die Haltung in gekoppelten oder entkoppelten Systemen, z. B. in Gewächshäusern (Kreislaufanlagen und Hydroponik unter einem Dach). Grundsätzlich unterscheidet sich hierbei die Haltung von Afrikanischen Raubwelsen in Aquaponik nicht von der Haltung in Kreislaufanlagen. Da Afrikanische Raubwelse tolerant gegenüber niedrigen Wasserständen und schwankenden Sauerstoffgehalten sind, bieten sich auch in sog. „Floß-Systemen“ Haltungsoptionen. Hierbei werden die Fische und Pflanzen gemeinsam in Becken gehalten (Pflanzen befinden sich auf Flößen). In jedem Fall sind die Haltungsbecken gut abzudecken, da Afrikanische Raubwelse leicht aus den Becken herausspringen können.

Produktangebot

Afrikanische Raubwelse werden meist frisch oder gefroren ohne Haut als Filet angeboten. Das Fleisch ist rötlich, fest, grätenarm und hat einen charakteristischen Eigengeschmack. Neben Filets werden auch geräucherte Fische (ganz oder in Teilen) und Marinaden vertrieben. Das Produktangebot wird besonders von kleineren Erzeugern und im Direktvertrieb laufend ergänzt (z. B. Wels-Wurst, Hackfleisch, Rouladen u. Ä.).

In Deutschland wurden im Jahr 2019 knapp 1.200 t Afrikanische Raubwelse in Kreislaufanlagen produziert (gesamt knapp 18.550 t Fisch; Destatis). Nach Forellen, Karpfen, Saibling und Aal liegt der Afrikanische Raubwels damit auf Platz 5 der wichtigsten Speisefischarten aus Aquakultur in Deutschland.

Filet des Afrikanischen Raubwelses (Kirschauer Aquakulturen)

Zertifizierung

In Europa ist der Afrikanische Raubwels ein Nischenprodukt und stammt vor allem aus Kreislaufanlagen. Die durchgehende Aufzucht von Fischen in Kreislaufanlagen kann nicht nach EG-Öko-Verordnung zertifiziert werden (EG710/2009). In Europa vertriebene Produkte mit Siegeln bzw. Zertifikaten anderer Verbände (Naturland, ASC, GlobalG.A.P usw.) sind zzt. nicht bekannt.

Nachgehakt

Werden in der Aquakultur Wels-Hybride eingesetzt?

Ja, es werden v. a. Hybride aus verschiedenen Gattungen der Kiemensackwelse erzeugt (Gattungen Clarias und Heterobranchus). Bekannt sind u. a. Hybride von C. gariepinus mit C. macrocephalus oder auch C. batrachus. Der sogenannte „Hetero-Clarias“ ist ein Hybrid aus Wunduwels, Heterobranchus longifillis (Männchen), und Afrikanischem Raubwels, Clarias gariepinus (Weibchen). Diese zielgerichtete Hybridisierung soll die positiven Eigenschaften der beiden Arten verbinden. Das Fleisch von Hetero-Clarias bspw. ist weiß (vgl. mit rotfleischigem Afrikanischem Raubwels) und hat einen höheren Fettanteil. Die Hetero-Clarias-Hybriden setzen keine Gonaden (Eier oder Spermien) an und investieren folglich keine Energie in die Vermehrung. Sie gelten als schnellwüchsig. Allerdings ist die Hybridisierung nicht ohne negative Folgen. Hetero-Clarias sind anfälliger gegenüber Stress, wachsen sehr heterogen und neigen auch daher zu Kannibalismus. In den vergangenen Jahren ist ForscherInnen auch die Hybridisierung von Afrikanischem Raubwels mit Pangasius (Pangasianodon hypophthalmus) gelungen. Diese Bemühungen stehen jedoch noch am Anfang der Entwicklung.

Bedrohen aus Aquakulturen entkommene Afrikanische Raubwelse andere Ökosysteme?

Entkommene Tiere aus Aquakulturen (engl. Escapees – „Ausbrecher“) stellen besonders in Regionen eine Gefahr dar, welche für die Art eine Möglichkeit der natürlichen Vermehrung bieten (Wasserparameter, Nahrungsangebot usw.). So können sich vor allem in tropischen und subtropischen Gebieten dauerhaft Populationen des Afrikanischen Raubwelses etablieren und die heimischen Ökosysteme bedrohen. Besonders aus offenen Aquakultursystemen (Teiche, Netzgehege, z. T. auch Durchflussanlagen) oder während des Transports sind solche Ausbrüche möglich.

Afrikanische Raubwelse sind sehr anpassungsfähig und wahre Überlebenskünstler. Ihre Fähigkeiten, längere Zeit ohne Wasser auszukommen und sich über kurze Entfernungen an Land zu bewegen, tragen zur Ausbruchsgefahr bei. Nachgewiesen sind u. a. die Etablierung von Afrikanischen Raubwelsen in Bangladesch, Indien und Brasilien. Dort richten die Fische große Schäden an der heimischen Fauna an und verdrängen einheimische Arten. Mitunter können die robusten Fische auch in der Kanalisation überdauern, wo sie sich von Abfällen ernähren.

Literatur & Links

Literatur

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